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05.05.2003

08:03 Uhr

Weniger Service auf Europa-Strecken

Swiss Express soll Swiss vor dem Konkurs retten

Die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss Airlines will eine Billigtochter gründen. Die Gesellschaft unter dem Namen "Swiss Express" soll ab November das regionale Streckennetz der Swiss abdecken. Gleichzeitig sollen die Löhne im gesamten Konzern im Schnitt um 10 % gesenkt werden.

fas ZÜRICH. Die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss Airlines will eine Billigtochter gründen. Die Gesellschaft unter dem Namen "Swiss Express" soll ab November das regionale Streckennetz der Swiss abdecken. Gleichzeitig sollen die Löhne im gesamten Konzern im Schnitt um 10 % gesenkt werden. Einschnitte im Langstreckennetz sind aber vorerst nicht geplant. Das kündigte das Swiss-Management um Konzernchef André Dosé am Freitag in Basel an.

Swiss will mit der Billigtochter 20 % seiner bisherigen Kosten im Regionalverkehr einsparen. Das heiße auch, dass der bisherige Swiss-Service auf den Europa-Strecken deutlich eingeschänkt wird. "Der Kunde muss erkennen, dass er nicht das Gleiche erwarten kann", sagte Konzernchef Dosé. Die Express-Flotte wird zunächst mit 59 Maschinen ausgestattet, die überwiegend aus den Beständen der in der Swiss aufgegangenen Regionalfluggesellschaft "Crossair" stammen.

Dosé begründet den Schritt mit der dramatischen Situation, in der sich die Gesellschaft seit Beginn des Jahres befindet. Im ersten Quartal sind bei der Swissair-Nachfolgerin erneut Verluste in dreistelliger Millionenhöhe aufgelaufen, die genauen Zahlen sollen Ende Mai auf den Tisch. Die Buchungsrückgänge durch den Irak-Krieg und die Lungenkrankheit SARS hätten alle bisherigen Prognosen über den Haufen geworfen. Zudem sieht sich die Swiss der Konkurrenz von Billigfliegern wie Germanwings oder Air Berlin ausgesetzt, die Zürich als lohnendes neues Ziel entdeckt haben. Auch im Europa-Geschäft liege die Auslastung weit hinter den Erwartungen. Alle Versuche der Swiss-Führung, die Situation in den Griff zu bekommen, sind gescheitert. Bereits im Februar diesen Jahres hatte die Swiss 20 von ursprünglich 130 Maschinen still gelegt und 700 Stellen gestrichen.

Konzernchef Dosé bezeichnete die jetzt vorgelegte neue Strategie als "letzte Möglichkeit", das Überleben der Schweizer Fluggesellschaft zu sichern. Entgegen anders lautender Meldungen sei die Zahlungsfähigkeit bis Ende des Jahres aber gesichert, die Liquidität der Swiss betrage zum Ende des ersten Quartals noch 861 Mill. Schweizer Franken. Zur Absicherung der neuen Strategie wolle sich die Gesellschaft aber erneut um neue Kreditlinien bei In- und ausländischen Banken bemühen. Der Schweizer Staat hatte zuvor weitere Bundesmittel abgelehnt, will aber für bessere Rahmenbedingungen sorgen.

Kritiker halten die Swiss gemessen am relativ kleinen Schweizer Markt für zu groß und fordern konsequenten Kapazitätsabbau. "Wenn die Swiss ihre Flotte nicht drastisch abbaut, ist auch das neue Konzept zum Scheitern verurteilt", sagt Luftfahrtexperte Uwe Weinrich von der Hypo-Vereinsbank.

Unterdessen fürchten Kunden der Schweizer Fluglinie um ihre Meilenguthaben. Die Reisebüros berichteten nach Angaben der Züricher Zeitung "Sonntagsblick" zunehmend von Passagieren, die ihre angesammelten Swiss-Meilen so schnell wie möglich abfliegen wollten.

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