Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2005

12:36 Uhr

Wer zusammen studiert, kennt die Stärken und Schwächen der Partner

Gemeinsame Uni-Karriere hilft Gründern auf die Sprünge

VonP. Mönnighoff (C.Moss, Handelsblatt)

Trotz angespannter Wirtschaftslage wächst die Zahl von Hochschulabgängern, die sich selbstständig machen. Allein im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen haben sich im vergangenen Jahr 69 Gründer um Zuschüsse aus dem Programm zur Finanziellen Absicherung von Unternehmensgründern aus Hochschulen (Pfau) beworben - mehr als in jedem anderen Jahr seit dem Start des Programms vor fast einem Jahrzehnt.

HB DÜSSELDORF. Wichtigstes Erfolgskriterium für derartige Gründungen ist es nach Expertenmeinung, die Stärken und Schwächen der Geschäftspartner zu kennen. „Gemeinsame Studienjahre sind dafür optimal“, sagt Bernhard Iking von der Unternehmensberatung Zenit, die für das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen „Business-Pläne“ von Gründern aus Hochschulen überprüft. „Gerade in der Gründungsphase sind die Belastungen oftmals sehr groß, Meinungsverschiedenheiten der Normalfall“, sagt Iking. Nur wer auch menschlich miteinander auskomme, meistere diese Situationen und habe anschließend geschäftlich Erfolg.

Und dass der gemeinsame Schritt vom Hörsaal auf den Chefsessel zu schaffen ist, haben schon viele Kommilitonen bewiesen. Vor fast sechs Jahren haben beispielsweise Wirtschaftsstudenten der privaten Universität Witten/ Herdecke die Unternehmensberatung „Noheto“ gegründet. Der Begriff stammt aus der Sprache der Cheyenne-Indianer und bedeutet so viel wie „Auf geht’s“.

Was sie am Anfang parallel zum Studium betrieben haben, ist inzwischen für einige Berater zum Vollzeitjob geworden. „Wir arbeiten profitabel“, sagt David Klett, einer von fünf Partnern. Klett selbst studiert noch – genauso wie Geschäftsführerin Nora Möllers. Bastian Schneider und Ralph Wiechers konzentrieren sich inzwischen voll auf das eigene Geschäft. Der fünfte im Bunde, Wolf Unkelbach, war früher selbst Berater bei McKinsey und steht dem Team vor allem als Mentor zur Verfügung.

Hoffnung setzen die Jungberater auf den Medizinmarkt. In den vergangenen Monaten haben sie für einen großen Pharmakonzern gearbeitet. „Das war richtig spannend“, sagt Klett. Das Unternehmen wollte wissen, wie der ökonomische Status der Ärzte ist.

Das Noheto-Team verfasste eine Studie und bekam auf diese Weise Zugang zu einer offensichtlich hochinteressanten Zielgruppe. „Wir konnten dem Pharmaunternehmen und den Ärzten gleichzeitig helfen“, sagt Klett. Das Projekt verlief so erfolgreich, dass die Noheto-Leute inzwischen ein eigenes Programm mit dem Titel „Praxisfit“ daraus entwickelt haben.

Auch Nico Kaartinen, Ulrich Schulze Althoff und Stefano Cazzulani sind mittlerweile ihre eigenen Chefs. Kennen gelernt haben sich der Finne, der Deutsche und der Italiener bei einem Auslandsstudium an der Königlich-Technischen Hochschule in Stockholm.

Gemeinsam haben sie mit Unterstützung von Pfau in der Boomphase des Neuen Marktes Ende 1999 „KaaSa Solution“ gegründet und Marketing-Dienste per SMS angeboten. Mittlerweile ist aus dem Drei-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit 14 Mitarbeitern geworden. Gearbeitet wird nicht mehr im Studentenwohnheim sondern in einem 180 Quadratmeter großen Büro in Düsseldorfs schickem Medienhafen.

Und auch das Geschäft hat sich verändert. Mit den technischen Möglichkeiten der Handys wuchs auch die Produktpalette der Firma. So setzen die drei Geschäftsführer vermehrt auf Handy-Spiele wie etwa eine neue Version des C64-Klassikers „Giana Sisters“. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz somit verdoppelt.

Unternehmensberater Iking hat vor einigen Jahren auch den Business-Plan von KaaSa Solution unter die Lupe genommen. „Die gesamte Idee hatte mich überzeugt“, sagt er. Ein Aspekt sei aber ganz besonders wichtig gewesen: Die drei Gründer passen gut zusammen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×