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11.04.2003

07:46 Uhr

Werbeeinnahmen zurückgegangen

Sender zufrieden mit Kriegsberichten

VonPetra Schäfer

Zumindest für die Medien verlief der Krieg im Irak bisher "nach Plan": Sie halten sich für kritischer als im Golfkrieg 1991. Obwohl nur wenige Werbekunden ihre Kampagnen stornierten, gingen die Einnahmen allerdings zurück.

DÜSSELDORF. Angesichts der Kritik an der sehr einseitigen Nachrichtenaufbereitung im ersten Golfkrieg 1991, ziehen die deutschen Fernsehsender nach dem Fall von Bagdad eine positive Bilanz der aktuellen Kriegsberichterstattung aus dem Irak. Ein ZDF-Sprecher bezeichnet die Berichte und Sondersendungen zum Irak-Krieg als "kritischer" und meinungsfreudiger im Vergleich zum letzten Golfkrieg. Besonders am vergangenen Mittwoch zogen die Geschehnisse im Irak Millionen vor die Bildschirme: Spitzenreiter war die ARD-Tagesschau mit einem Marktanteil von 35 % und 10,7 Mill. Zuschauern. "Wir haben damit aktuelle Umfragen untermauert, die der ARD in ihrer Berichterstattung über den Krieg die größte Glaubwürdigkeit bescheinigten", sagte ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann.

"Wir haben den Krieg im Irak deutlich besser dargestellt als vergangene Kriege", sagt Hans Mahr, Informationsdirektor von RTL, zufrieden. RTL reichte mit seinen Zuschauerquoten bei den Kriegsnachrichten dicht an die Programme von ARD und ZDF heran. Mahr ist auch für die Beteiligung von RTL Deutschland an dem Nachrichtensender N-TV zuständig. Eine Umfrage der Zeitschrift "TV Movie" hat außerdem ergeben, dass der Großteil der deutschen Zuschauer die aktuellen Kriegsberichte als "nicht brutal" würdigt.

Unterdessen haben die Reporter Antonia Rados (RTL) und Ulrich Tilgner (ZDF) für ihre Berichterstattung aus dem Irak-Krieg den Hanns-Joachim- Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus 2003 erhalten. Beide hätten "unter den extremen Bedingungen der Kriegsberichterstattung ihre professionelle Qualität und ihre journalistische Unabhängigkeit bewahrt und bewiesen", heißt es in einer Mitteilung des Trägervereins in Hamburg. Die 49-jährige Journalistin Rados berichtet seit Wochen für die Privatsender RTL und n-tv aus Bagdad, der 55-jährige Tilgner für das ZDF.

Unter Medienexperten umstritten ist allerdings die neue Form der Live-Berichterstattung aus Panzern oder von Schiffen: Während Mahr gerade dieses so genannte "Embedded Reporting" - RTL-Mann Uli Klose fuhr in dieser Woche an Bord eines amerikanischen Panzers in die irakische Hauptstadt ein - als ein Plus für die Berichterstattung bezeichnet, rügt Jo Groebel, Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts, die neue Dimensions des Fernsehen. Wenn Zuschauer weltweit Gefechte und Panzervorstöße live mitverfolgen können, sei das kein Fortschritt für die Berichterstattung. Denn die Reporter durften sich weder frei bewegen, noch ohne Genehmigung drehen. "Das ist keine Zensur, aber eine Steuerung von Information", erklärt der Medienkritiker. "Wir werden im Krieg über vieles informiert, aber die Informationen werden nicht strukturiert", schimpft Groebel.

"Trotz aller Probleme hat sich die Art der Berichterstattung bewährt", hält Mahr dagegen. Obwohl die Journalisten in ihren Live-Berichten nicht mitteilen durften, wo sie sich aufhielten, seien die Kriegsparteien dadurch gezwungen worden, mit ihrer Propaganda vorsichtiger umzugehen. Das ZDF hatte seinen Truppen-Reporter auf einem US-Flugzeugträger im Golf dagegen bereits einige Tage nach Kriegsbeginn wieder abgezogen: Er hatte kaum unabhängig berichten können.

Gut beurteilt Groebel den bislang einmaligen "Medien-Pluralismus" in der Berichterstattung. Noch nie hätten den Sendern so viele Bildquellen zur Verfügung gestanden. Neben dem US-Nachrichtensender CNN sendeten auch Al Dschasira und BBC World eigene Bilder aus dem Kriegsgebiet.

Was die Werbeeinnahmen betrifft, haben die Medien keinen Profit aus der Kriegslage geschlagen. Von Januar bis März sind die Brutto-Werbeinvestitionen der Firmen laut Nielsen Media Research im Vorjahresvergleich noch einmal um 3,7 % gesunken. "Es ist ein elender Cocktail an Einflüssen", erklärt Nielsen-Geschäftsführer Ludger Vornhusen. Vor allem die allgemeine konjunkturelle Unsicherheit prägt Medien und Werbung. Direkte Auswirkungen des Irak-Kriegs auf Werbekampagnen gab es dagegen kaum.

Quelle: Handelsblatt

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