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26.05.2000

17:50 Uhr

Reuters BERLIN. Ein freundliches Klima auf den ausländischen Märkten, die anziehende heimische Wirtschaft, sowie der schwache Euro haben zu mehr Optimismus unter den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern geführt. Angesichts guter Rahmenbedingungen könne die bisherige Prognose für das Produktionswachstum in diesem Jahr von bislang 3 % auf nun 6 % verdoppelt werden, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Eberhard Reuther, am Freitag in Berlin. Wermutstropfen ist nach Reuthers Worten jedoch der weiter bestehende Mangel an Ingenieuren in Deutschland. Er forderte deshalb eine Green-Card-Initiative für ausländische Studenten.

In den ersten vier Monaten des Jahres seien die Bestellungen in der Branche real um 15 % gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 1999 gestiegen, sagte Reuther. Die Nachfrage aus dem Ausland sei dabei mit 19 % weiter stärker als die aus dem Inland gewachsen. Die Auftragszunahme sei auf den weltweiten Investitionsaufschwung zurückzuführen. Für einen zusätzlichen positiven Impuls sorge derzeit der schwache Euro.

Von einem selbsttragenden Inlandsaufschwung könne jedoch über diesen Zeitraum gesehen noch keine Rede sein. Allerdings sind die inländischen Bestellungen nach Angaben des VDMA-Hauptgeschäftsführers Martin Wansleben im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17 % gestiegen, während die Order aus dem Ausland stagnierten. Dies lasse auf eine Trendwende hoffen, hieß es. Im VDMA sind den Angaben zufolge rund 3000 Mitgliedsfirmen mit zusammen rund 930 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 260 Mrd. DM vertreten. Durch die positive Entwicklung im laufenden Jahr wird die Zahl der Beschäftigten in der Branche nach Einschätzung des VDMA-Vizepräsidenten Diether Klingelnberg um zwischen 10 000 und 20 000 ansteigen.

Der wachsenden Nachfrage nach Mitarbeitern stehe aber eine zu geringe Zahl vor allem an qualifizierten Ingenieuren gegenüber, sagte Reuther. In diesem Jahr würden lediglich 5 000 Maschinenbauingenieure die Hochschulen verlassen. Um diese bemühten sich neben dem Mittelstand auch die Großfirmen, die Hochschulen selbst, sowie der öffentliche Dienst.

Da die Studentenzahlen gerade erst wieder anstiegen, sei zu befürchten, dass in den kommenden vier bis fünf Jahren nicht genügend Ingenieure nach kämen. Die Branche brauche deshalb eine ähnliche Initiative wie die Green Card für Computerspezialisten, sagte Reuther. Die Bundesregierung solle ausländischen Studenten eine einfachere Einreise ermöglichen. An den Hochschulen müssten zudem verstärkt fremdsprachliche Vorlesungen angeboten werden. Schließlich sollte es den Ingenieuren nach einem erfolgreichen Abschluss möglich sein, noch mehrere Jahr in Deutschland zu arbeiten. Auf die Frage, wieviele ausländische Studenten er für nötig halte, sagte Reuther: "So viel, wie in die Hörsäle passen."

Der VDMA-Präsident forderte zudem die Politik auf, die Steuerreform nicht zu zerreden, sondern sie zügig umzusetzen. Dabei komme es vor allem auf einen niedrigeren Spitzensteuersatz an, als bislang geplant. Auch sollten Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften steuerrechtlich gleich gestellt werden.

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