Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2003

08:03 Uhr

Wertberichtigungsbedarf für 2002 mindestens auf hohem Vorjahresniveau – Geschäft mit den Sparkassen soll ausgebaut werden

WestLB-Aktivitäten auf dem Prüfstand

VonCaspar Dohmen

Die Ertragsentwicklung gefährdet die erst vor anderthalb Jahren beschlossene Strategie der WestLB. Die Sparkassen drängen auf eine schonungslose Analyse und eine Entscheidung über mögliche Kursänderungen bis zum Sommer. Die Zukunft der Landesbanken ist stark mit ihrem Engagement bei den Sparkassen verknüpft.

DÜSSELDORF. Angesichts der Bankenkrise macht der Aufsichtsrat der WestLB AG Druck. Karlheinz Bentele, als Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes im Aufsichtsrat der Bank, kündigte eine Überprüfung aller Geschäftsaktivitäten der WestLB an. Als Grund nannte er die "sehr unterschiedliche Ertragsentwicklung in den einzelnen Geschäftsfeldern" und fordert, dass es bei der Durchforstung der Segmente "keine heiligen Kühe geben" dürfe. Auch die Investmentbanking-Aktivitäten der WestLB in London und New York gehörten auf den Prüfstand. Bis zum Sommer müsse über eine Korrektur der Strategie entschieden werden.

Deutliche Spuren haben Engagements wie bei Babcock, Enron oder Klöckner in der WestLB-Bilanz hinterlassen. "Der Wertberichtigungsbedarf der Bank wird mindestens auf dem Vorjahresniveau liegen", erwartet Bentele. "Und der war schon hoch." 2001 stockte die WestLB ihre Risikovorsorge um rund eine Milliarde Euro auf. Im Dezember hatte WestLB-Chef Jürgen Sengera angekündigt, dass die Eigentümer erstmals seit 1986 auf eine Dividende verzichten müssten.

Die WestLB gehört zu 43,2 Prozent dem Land NRW und zu je 16,7 Prozent den rheinischen und westfälisch-lippischen Sparkassen sowie zu je 11,7 Prozent den Landschaftsverbänden aus dem Rheinland und Westfalen-Lippe.

Der Druck auf die Ertragsseite gefährdet die Strategie von WestLB-Lenker Sengera, die er seit seinem Amtsantritt im Herbst 2001 verfolgt: Er will vor allem durch drastische Kosteneinsparungen die anstehende Verteuerung der Refinanzierung der Bankgeschäfte ausgleichen. Akut wird dies spätestens mit dem Wegfall der Staatsgarantien für die Landesbanken Mitte des Jahres 2005, dem die Abstufung derBonität durch die internationalen Ratingagenturen folgen wird.

Immer wichtiger werde laut Bentele deshalb für die Landesbanken die Verzahnung mit den Sparkassen. "Reine Großkundenbanken werden von den Ratingagenturen derzeit sehr skeptisch gesehen", sagt er. "Jede Ratingagentur fragt heute nach dem Vertriebsapparat einer Landesbank." Folglich hätte die Landesbank Baden-Württemberg heute die beste Note für Finanzkraft in der Landesbankenszene. Sie verfügt mit der integrierten ehemaligen Landesgirokasse über ein starkes Bein im Einzelkundengeschäft.

Vor diesem Hintergrund umwirbt die WestLB die Sparkassen heftiger denn je. "Das Geschäft mit den Sparkassen ist ein wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells", betont WestLB - Vorstandsmitglied Robert Restani gegenüber dem Handelsblatt. Der ehemalige Vorstand der Taunussparkasse kennt die Befindlichkeiten der Sparkasssenchefs gut. Er wirbt um deren Vertrauen und will jede der 150 Sparkasse in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg noch in diesem Jahr besuchen.

Bisher erreicht die WestLB in den 15 für die Sparkassen interessanten Geschäftsfeldern wie Corporate Finance, strukturierte Finanzierungen oder Gemeinschaftskredite einen Marktanteil von 50 bis 75 Prozent. "Zu wenig", sagt Restani. Zur Vergrößerung des Kuchens soll die Produktpalette der WestLB besser auf die Bedürfnisse der Sparkassen zugeschnitten werden. Zur Abstimmung werde in den nächsten Wochen erstmals ein Verbundbeirat von Sparkassen und WestLB tagen. Punkten will Restani hier beispielsweise mit der Emission gemeinsamer Pfandbriefe für mehrere Sparkassen.

Darüber hinaus will die WestLB das Geschäft mit Sparkassen außerhalb ihres Kerngebietes in NRW und Brandenburg vorantreiben. Schon heute wickeln die Düsseldorfer den Auslandszahlungsverkehr für die Sparkassen in Rheinland Pfalz und das Research für Privatkunden für die Sparkassen in Schleswig Holstein ab.

Chancen eröffnen sich für die WestLB auch im Rahmen einer neuen Strategie der Sparkassen. Nach dem im Herbst verabschiedeten Konzept sollen Kompetenzzentren bei den Landesbanken geschaffen werden. "Wir bieten uns hier an", sagt Restani und denkt dabei unter anderem an strukturierte Finanzierung oder das Geschäft mit Corporate Finance.

Allerdings ist hier Streit zwischen den Landesbanken programmiert. Viele Sparkassen hätten gerne eine Vorentscheidung darüber, bei welcher Landesbank der Bereich Corporate Finance mit Themen wie Börsengänge oder strukturierte Finanzierungen gebündelt wird. Doch davon trennen sich Landesbanken nur ungern, weil sie ihre Eigenständigkeit bedroht sähen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×