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07.02.2001

14:34 Uhr

West LB bleibt bei Kursziel von 25 Euro

HSBC Trinkaus und Merrill Lynch stufen Kamps-Aktie herunter

VonMarc Renner

Die vorläufigen Zahlen von Europas größtem Bäcker, der Düsseldorfer Kamps AG , für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 sind bei den Analysten eher zurückhaltend aufgenommen worden. Einige Händler sprachen zwar von "recht guten" Ergebniszahlen. Der Großteil zeigte sich aber vor allem von den Aussichten für das laufende Jahr enttäuscht. HSBC Trinkaus und Merrill Lynch stuften den Titel als Reaktion auf die am Mittwochmorgen vorgelegten Zahlen herunter.

DÜSSELDORF. Am Morgen hatte die Kamps AG die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Danach wurde der Umsatz gemäß den im Juni nach unten revidierten Erwartungen auf 3,2 Milliarden DM vervierfacht, der Gewinn pro Aktie blieb mit 0,83 Euro dagegen leicht hinter den Erwartungen von durchschnittlich 0,86 Euro zurück. Enttäuschung machte sich unter den Investoren aber vor allem über die Aussichten für 2001 breit: Vorstandschef Heiner Kamps kündigte ein Plus von 20 Prozent beim Umsatz sowie ein überproportional wachsendes Ergebnis auf Basis des laufenden Geschäfts an. Den Investoren an der Börse war das zu wenig: Die Aktie stürzte zeitweise um mehr als 18 Prozent unter die 14-Euro-Marke ab.

"Vor allem die Gewinnzahlen sind enttäuschend", urteilte Burkhard Sawazki von HSBC Trinkaus. Der Grund dafür liege auf der Hand: "Der Integrationsprozess verläuft schleppender als erwartet, das gesteht man bei Kamps ja auch ein." Das Unternehmen habe die damit verbundenen Probleme unterschätzt. "Synergiepotenziale sollte es zweifellos geben. Aber das Ganze ist ein komplexes System, das noch der Abstimmung bedarf." Zudem entwickele sich der Margenverbesserungsprozess langsamer als ursprünglich erwartet. Die Ankündigung von Heiner Kamps zum Wachstum 2001 halte er deshalb für übertrieben. "Wir haben die Einstufung des Titels deshalb heute von 'Aufstocken' auf 'Reduzieren' zurückgenommen", sagte Sawazki. Das neue Kursziel gab der Analyst im Gespräch mit Handelsblatt.com mit 14 Euro an. Auch auf die Ankündigung, dass das Bakerstreet-Projekt im 1. Quartal starten soll, reagierte Sawazki nach den Erfahrungen der Vergangenheit - Kamps hatte schon im Oktober in einem Interview die Bekanntgabe eines Partner "für die nächsten Tage" angekündigt - zurückhaltend. "Warten wir erst mal ab."

Auch das amerikanische Brokerhaus Merrill Lynch zog aus den vorgelegten Zahlen seine Konsequenzen. Es revidierte die Einstufung von Kamps am Mittwoch von "Kauf" auf "Neutral". In einer in London vorgelegten Kurzstudie nannten die Analysten den gedämpften Ausblick der Düsseldorfer auf das laufende Geschäftsjahr als Hauptgrund für die mittelfristige Abwertung.

Jadwiga Bobrowska, Analystin bei der West LB Panmure, beurteilte die vorgelegten Zahlen dagegen insgesamt positiv. "Dass das Ebit-Ergebnis leicht hinter den Erwartungen zurück bleibt, sehe ich nicht so dramatisch", sagte sie im Gespräch mit Handelsblatt.com. Der heutige heftige Kurseinbruch sei für sie deshalb überraschend. Eine eindeutige Erklärung habe sie dafür nicht parat. "Möglicherweise haben einige noch mehr erwartet. Ich gehe aber auch davon aus, dass es nach dem Kursanstieg der vergangenen Wochen einige Gewinnmitnahmen gegeben hat." Das angestrebte Wachstum von mehr als 20 Prozent hält die Expertin für realistisch, das Potenzial sei vorhanden. "Unter anderem ist Harry?s im Jahr 2000 nur für drei Monate konsolidiert. Außerdem hat das Unternehmen viel in die Marke Wendeln investiert, was sich in diesem Jahr vermutlich umsatzsteigernd auswirken wird", urteilt Bobrowska. Trotz des heutigen Kurseinbruchs hält sie deshalb an ihrem Kursziel für die kommenden 12 Monate von 25 Euro fest. Ob der Start des Bakerstreet-Verkaufskonzepts der Aktie neue Phantasie geben kann, hänge vor allem von den Partnern ab, die Kamps dafür finden könne. "Bakerstreet wird 2001 aber keinen Einfluss auf die Zahlen haben."

Die Analysten von Independent Research haben indes ihr Votum "Marktneutral" bestätigt. Das im Laufe des vergangenen Jahres genannte Umsatzziel für 2000 von 3,5 bis 4,0 Mrd. DM habe das Unternehmen mit 3,2 Mrd. DM verfehlt, hieß es in einer am Mittwoch vorgelegten Studie. Independent Research will nach einem Gespräch mit dem Management der Düsseldorfer die erwartete Ergebnisreihe überprüfen und eventuell nach unten korrigieren. Bei dem veröffentlichten Zahlen würden die Wachstumsraten auf den ersten Blick beeindruckend wirken. Allerdings gelte es zu berücksichtigen, dass ein Großteil der Wachstumsbeiträge aus den Übernahmen der SB-Backwarengruppe Wendeln, Quality Bakers und Harry´s resultiere. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) habe ebenfalls unter den Konsensus-Schätzungen der Analysten und den bisherigen Planzahlen des Unternehmens gelegen.

Mit größeren Akquisitionen rechnet für dieses Jahr keiner der Aktienexperten mehr. Das im M-Dax notierte Unternehmen hat nach Ansicht der meisten Analysten mit seinen getätigten Zukäufen eine Größe und Marktposition erreicht, die eigentlich nicht mehr zu übertreffen sei, hieß es. Es gebe schlichtweg niemanden, der übernommen werden könnte.

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