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29.05.2000

10:40 Uhr

Reuters FREETOWN. Die Rebellen in Sierra Leone haben nach Uno-Angaben offenbar die letzten der etwa 500 entführten Uno-Soldaten freigelassen. Ein Uno-Sprecher sagte in der Nacht zum Montag, die letzten 85 Geiseln seien in der Hauptstadt Freetown eingetroffen. Die Rebellen der Vereinten Revolutionären Front (RUF)hatten die Geiseln zuvor in die liberianische Hauptstadt Monrovia ausreisen lassen. Die RUF hatte am Wochenende bereits rund 300 Kindersoldaten und weitere verschleppte Uno-Mitarbeiter freigelassen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich unterdessen in New York erfreut über die Freilassung der Geiseln. Er hoffe, dass das westafrikanische Bürgerkriegsland damit einer friedlichen Lösung des Konflikts einen Schritt näher gerückt sei.

Der Uno-Sprecher in Freetown sagte, vier noch vermisste Uno-Mitarbeiter seien wahrscheinlich unter den Leichen von mehreren Uno-Soldaten, die vergangene Woche knapp 90 Kilometer von Freetown entfernt gefunden worden seien. Die Kämpfe in Sierra Leone waren wegen des Widerstands der RUF gegen die 1999 im Friedensabkommen von Lome festgeschriebene Entwaffnung durch Uno-Truppen entbrannt. Die Uno-Truppe UNAMSIL hat die Aufgabe, die Umsetzung des Friedensabkommens zu überwachen, das acht Jahre Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Staat beenden sollte. Die RUF hatte Anfang Mai bei Beginn der Kämpfe rund 500 Uno-Soldaten verschleppt.

In der Nacht zum Samstag hatte die RUF der liberianischen Regierung zufolge weitere 180 verschleppte UNO-Soldaten freigelassen. Am Wochenende ließen die Rebellen zudem rund 300 Kindersoldaten frei. Die sieben- bis 18-jährigen Kindersoldaten seien in der von der RUF besetzten Stadt Makeni im Norden freigekommen und von Mitarbeitern des katholischen Hilfswerks Caritas nach Lungi gebracht worden, sagte ein Uno-Sprecher. Regierungstruppen wie Aufständische zwingen Kinder zum Kriegsdienst in den vor rund drei Wochen wieder aufgeflammten Kämpfen.

In der nigerianischen Hauptstadt Abuja beraten derzeit die Präsidenten von Nigeria, Liberia, Ghana, Mali, Elfenbeinküste, Togo und Benin über die Beilegung der Krise in Sierra Leone. Dabei geht es unter anderem um die Entsendung einer 3000 Mann starken Truppe der westafrikanischen Staaten, die die Uno-Soldaten in Sierra Leone unterstützen soll.

Uno-Generalsekretär Annan sagte in New York, seiner Ansicht nach müssten sich die Vereinten Nationen (UNO) von dem Konzept einer neutraler Friedenssicherung verabschieden und den Friedenssoldaten ein robusteres Mandat erteilen. Dabei müssten insbesondere die Ausrüstung und Vorbereitung der Truppen für die Friedenseinsätze überprüft werden.



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