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09.01.2003

15:56 Uhr

Westeuropäische Küste immer noch von Ölkatastrophe bedroht

„Prestige“ verliert weiter 80 Tonnen Öl am Tag

Ein Ende der "schwarzen Flut" aus dem vor Spanien gesunkenen Großtanker "Prestige" ist nicht in Sicht. Fachleute halten es nach Rundfunkberichten vom Donnerstag für unwahrscheinlich, dass die Lecks am Schiffswrack - wie von der Regierung angekündigt - noch im Januar abgedichtet werden können. Das ständig schlechte Wetter werde die Arbeiten des französischen Mini-U-Bootes "Nautile" weiter behindern.

HB/dpa MADRID/LA CORUNA. Aus den beschädigten Tanks treten täglich immer noch 80 Tonnen giftiges Schweröl aus, wie die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission in Madrid mitteilte. In den ersten Wochen waren es noch bis zu 150 Tonnen gewesen. Insgesamt hätten die Tanks nach dem Untergang am 19. November knapp 6000 Tonnen verloren. Hinzu kommen nach neuesten Berechnungen rund 20 000 Tonnen, die bereits zuvor während der sechstägigen Irrfahrt des Havaristen im Atlantik ins Meer und an die Küsten gelangten. Das ist weitaus mehr als bei dem "Erika"-Unglück vor der Bretagne im Dezember 1999.

Dass inzwischen weniger Öl ausströme, habe zwei Gründe, erklärte Kommissionschef Emilio Lora-Tamayo: Zum einen sei das Schweröl in dem in 3600 Metern Tiefe liegenden Wrack erkaltet und dickflüssiger geworden. Zum anderen habe das französische Spezial-U-Boot "Nautile" mittlerweile 6 der 20 Tanklecks ganz und 2 weitere teilweise abdichten können. Im Rumpf des Schiffes befänden sich noch etwa 53 000 Tonnen Öl.

Angesichts der Schwierigkeiten der "Nautile", bei rauer See zu dem Wrack zu tauchen, soll nun ein unbemanntes U-Boot eingesetzt werden. Dabei handele es sich um eine Art Roboter, sagte Lora-Tamayo. Die "Nautile" hat dagegen eine Besatzung von drei Mann. Das U-Boot und die Ölbekämpfungsschiffe konnten auch am Donnerstag wegen eines Sturms nicht eingesetzt werden.

Durch die Katastrophe ist die spanische Küste auf einer Länge von fast 1000 Kilometern verschmutzt, in Frankreich sind etwa 250 Kilometer betroffen. Portugal blieb dagegen dank der kräftigen Südwinde der vergangenen Wochen verschont.

Ministerpräsident José María Aznar verhinderte unterdessen, dass der Delegierte der Regierung in Galicien, Arsenio Fernández de Mesa, von dem im Regionalparlament eingesetzten Untersuchungsausschuss zu der Katastrophe vernommen werden kann. Ein Regionalparlament sei nicht befugt, einen Vertreter des Zentralstaates vorzuladen, sagte er. Die Opposition warf Aznar vor, Versäumnisse der Regierung bei dem Krisenmanagement unter der Decke halten zu wollen.

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