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17.01.2003

13:30 Uhr

Wettbewerb unter Lieferanten soll erhöht werden

Die Bahn will kräftig sparen

"Bis 2007 wollen wir jährlich fünf bis sechs Prozent sparen", sagte der neue Bahn-Einkaufschef Stefan Garber am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Reduzierung vom Anteil deutscher Lieferanten gehört auch zum Sparprogramm.

Reuters BERLIN. Die Bahn bestellt in diesem Jahr allein aus Eigenmitteln für rund fünf Milliarden Euro und ist damit nach eigenen Angaben der größte Einkäufer in Deutschland. Neben mehr Wettbewerb bei den Lieferanten im Inland wolle die Bahn nun auch verstärkt im Ausland einkaufen. "Über 90 Prozent unserer Lieferanten kommen aus Deutschland. Das ist ungesund", bemängelte Garber. "Wir streben einen Anteil von 50 bis 60 Prozent an. Bei Ersatzteilen könnten wir das in drei bis fünf Jahren erreichen." In diesem Jahr werde die Bahn noch Großaufträge für Stellwerke, Dieselloks, IC-Züge sowie Doppelstockwagen vergeben, kündigte Garber an.

Die Deutsche Bahn hat einen Einkaufsetat von rund Zehn Milliarden Euro. Davon stammt die Hälfte aus Bahn-Eigenmitteln, der andere Teil sind Bundesmittel in erster Linie für das Schienennetz. Garber machte klar, dass die Sparziele selbstverständlich auch für diese Mittel gelten, die gesparten Gelder sollten dann anderweitig verwendet werden: "Bei den Bundesmitteln ermöglicht uns dies, entsprechend mehr Projekte zu verwirklichen." Garber ist seit Ende letzten Jahres neuer Einkaufschef des Unternehmens und war zuvor in der Netz AG der Bahn beschäftigt.

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Wir werden einen sehr starken Fokus auf die Standardisierung legen", sagte Garber weiter. Vor allem bei Komponenten wie Sitze, Toiletten, Getriebe und Bremssysteme gebe es Sparpotenziale. Zudem werde die Bahn sich international nach neuen Lieferanten umsehen. "Es gibt durchaus auch Lieferanten in Osteuropa oder Japan." Garber stellte weiter klar, dass es pauschale Aufforderungen an Lieferanten, im Nachhinein einen Teil des Auftragswertes zurückzubezahlen, nicht mehr geben solle. Ende vergangenen Jahres hatte die Bahn nach Kritik des Bundeskartellamtes eine entsprechende Forderung fallen gelassen.

Einer der größten Posten im Einkauf in diesem Jahr wird Garber zufolge der Kauf von elektronischen Stellwerken sein. Hierfür werde man rund eine halbe Milliarde Euro aufwenden. Den Markt dafür teilten sich derzeit Siemens und Alcatel. Man bemühe sich aber, auch den britischen Konzern Westinghouse zur Abgabe von Geboten zu ermuntern.

Bei den Fahrzeugen plane man einen Großauftrag von 300 bis 500 Dieselloks für den Fracht- und Personenverkehr mit einem Gesamtvolumen von 800 bis 900 Millionen Euro. Für etwa die gleiche Summe werde man 600 Doppelstockwagen ordern. Neue Züge wolle die Bahn auch für den Fernverkehr bestellen: "Wir brauchen ein Nachfolgesystem für den IC. Dies könnten dann bis zu 140 Züge sein, für die rund eine Milliarde Euro investiert werden sollen", kündigte Garber an. Er bezeichnete es als Problem für die Bahn, dass der Bundeshaushalt 2003 voraussichtlich erst im Frühjahr vom Parlament gebilligt werde. Bis dahin dürfe die Bahn nur 80 Prozent der in der Mittelfristplanung des Bundes vorgesehenen Mittel einsetzen.

Diese würden aber für bestehende Projekte gebraucht, neue könnten dann nicht angeschoben werden. "Wenn sie dann im Juni gestartet werden, ist es für den Mittelabfluss im Jahr 2003 zu spät", kritisierte Garber. "Diese Jojo-Diät ist für die Bahn verhängnisvoll, weil es die langfristige Planung erschwert."

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