Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.04.2003

17:30 Uhr

Wettbewerber nur teilweise zufrieden

Regulierungsbehörde lässt Telekom abblitzen

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat am Dienstag mit zwei Grundsatzentscheidungen für den Wettbewerb im Ortsnetz Forderungen der Deutschen Telekom nach höheren Zahlungen der Konkurrenten zurückgewiesen.

Reuters BONN. Die Deutsche Telekom müsse ab Donnerstag den monatlichen Mietpreis für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), den die Wettbewerber für die Nutzung der so genannten "letzten Meile" zahlen, auf 11,80 ? von derzeit 12,48 ? senken, teilte die RegTP mit. Die Telekom hatte eine Preiserhöhung auf 17,40 ? beantragt. Außerdem dürfe der Konzern von den konkurrierenden Anbietern keinen generellen Aufschlag auf die bestehenden Entgelte für die Nutzung der Telekom-Infrastruktur erheben. Nur für Ortsgespräche sei ab dem 1. Juli ein Zuschlag von 0,4 Cent je Gesprächsminute genehmigt worden, für Ferngespräche und Internetverbindungen ändere sich nichts. Die Telekom hatte einen Aufschlag von 0,6 Cent für alle Verbindungen gefordert.

Die Deutsche Telekom äußerte sich tief enttäuscht über die Entscheidung. "Wir sind sehr unzufrieden. Die Zahlungen geben unsere Kosten nicht wieder. Die Behörde hat den Auftrag des Gesetzgebers verfehlt", sagte ein Sprecher in einer ersten Reaktion. Ob es Möglichkeiten für einen Einspruch gegen die Entscheidungen gebe und die Telekom diese nutzen wolle, konnte er zunächst nicht sagen. Die T-Aktie weitete ihre Verluste in Reaktion auf die Nachricht leicht aus und notierte zwei Prozent im Minus bei 12,20 ?.

Bei den Telekom-Wettbewerbern stießen die Entscheidungen auf gemischte Reaktionen. Die Absenkung des monatlichen Mietpreises sein ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte Harald Stöber, Chef der zum Vodafone-Konzern gehörenden Arcor AG. Die Erhöhung der Zusammenschaltungskosten kritisierte er aber als falsches Signal für den Markt. "Mit einem Aufschlag von 0,4 Cent zum 1. Juli wird Wettbewerb in einem Segment behindert, bevor er sich wirklich entfalten konnte." Der Aufschlag könnte auch zu einer Erhöhung der Preise für Ortsgespräche führen.

Nach der Liberalisierung des Marktes für Ferngespräche muss die Deutsche Telekom seit Freitag vergangener Woche Wettbewerber auch im Ortsnetz dulden. Mit einer Vorwahl können die Kunden bestimmte Anbieter auswählen und so den jeweils günstigsten Gesprächstarif nutzen. Wettbewerber wie Arcor, Tele2 oder 01051 nutzen aber die Leitungen der Telekom und müssen dafür eine monatliche Miete von nun 11,80 ? zahlen. Dieser Preis sei bis zum 31. März 2005 befristet, teilte die RegTP mit.

Um zu gewährleisten, dass es weiter Anreize zu Investitionen in Telekom-Infrastruktur gebe, habe die Behörde der Telekom ein zusätzliches Entgelt für die Gesprächsvermittlung von 0,4 Cent pro Minute zugestanden - aber nur für Ortsgespräche. Diese Regelung gelte bis zum 30. November, hieß es.

Die Regulierungsbehörde überraschte mit der Veröffentlichung der Entscheidungen, die eigentlich erst für Mittwoch erwartet worden war. "Die heutigen Entscheidungen schaffen Klarheit für alle Marktteilnehmer, auch wenn sie in einer schwierigen und von der Position der Beteiligten divergierenden Interessenlage nicht jeden zufrieden stellen können", erklärte RegTP-Präsident Matthias Kurth.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×