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08.02.2001

12:57 Uhr

WGZ-Bank stuft Aktie auf "Marketperformer" zurück

Analysten nehmen Philips-Zahlen mit gemischten Gefühlen auf

Während die Analysten die Anhebung der längerfristigen finanziellen Ziele einhellig begrüßten, stießen die am Mittwoch vorgelegten Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres nicht überall auf Begeisterung. Die WGZ Bank stufte die Philips-Aktie bereits herunter.

vwd/mr AMSTERDAM. Mit gemischten Gefühlen sind am Donnerstag die Zahlen der Philips Electronics NV, Amsterdam, für 2000 aufgenommen worden. Begrüßten Analysten einhellig die Anhebung der längerfristigen finanziellen Ziele, so stießen die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres nicht überall auf Begeisterung. Phillips steigerte 2000 den Nettogewinn aus dem fortlaufenden Geschäft auf 9,6 (Vorjahr: 1,8) Mrd. Euro. In diesem Gewinn enthalten sind jedoch eine Reihe von Sondergewinnen über insgesamt 7,04 Mrd Euro. Bereinigt um diese Posten belief sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 2,564 (1,557) Mrd Euro und lag unter den Analystenerwartungen. Nach Veröffentlichung der Zahlen rutschte die Aktie von Philips zunächst um mehr als 2 Prozent ab. Am Nachmittag drehte das Papier aber deutlich ins Plus.

Intraday-Chart der Philips-Aktie

Die Aussichten für 2001 beurteilte Philips zunächst vorsichtig. So dürfte der schwache Markt für PC und Mobilfunktelefone belasten. Hingegen der langfristigen Ziele zeigte sich der Elektronikkonzern sehr zuversichtlich. So plant Philips ein jährliches Wachstum von 15 % beim Gewinn je Aktie, zuvor lagen die Einschätzungen bei mindestens 10 Prozent. Der Nettogewinn aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit soll um 8 bis 10 Prozent jährlich steigen. Das Umsatzwachstum wird den weiteren Angaben zufolge bei 10 Prozent oder besser gesehen. Zum Vergleich: 2000 war der Umsatz um 20 % gestiegen.

Stefan Seib von der WGZ-Bank erklärte, trotz der ehrgeizigen längerfristigen Ziele von Philips und der noch immer günstigen Bewertung fehle dem Papier vorerst die Fantasie für einen Outperformance. Trotz des Rekordgewinnes entspreche das Ergebnis bereinigt um die vielen Sonderfaktoren nicht seinen Erwartungen. Er reduziere deshalb die Bewertung auf "Marketperformer".

Auch Andre Jäkel von der BHF Bank sah seine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Seine Einstufung bei "Outperformer" werde er aber nicht ändern. "Es sind keine Horrorzahlen, die Philips vorgelegt hat. Vielmehr zeigen die Ergebnisse eine stabile Entwicklung. Vor drei Jahren war das Unternehmen in einer viel schlechteren Verfassung." Während es Schwächen vor allem im Komponenten-Geschäft gegeben habe, habe sich das Halbleitergeschäft vor dem Hintergrund der allgemeinen Chipkrise überraschend konstant gezeigt, urteilte Jäkel. Die Entwicklung und die Aussichten von Philips lägen im Vergleich zu Konkurrenten wie ST Microelectronics im Trend. "Viele haben deutlich Schlimmeres erwartet." Auch die Aussichten zeigten Stabilität. So sei im Halbleitergeschäft trotz der aktuellen Marktsituation ein weiteres konstantes Wachstum zu erwarten. Potenzial sieht Jäkel vor allem im Digital-Consumer-Geschäft: "Die Nachfrage nach Consumer-Produkten wie Set-Top-Boxen und digitalen Videorecordern wird stark zunehmen", prognostiziert der Analyst. Nach der Trennung von Origin und mit der geplanten Ausgliederung des Geschäftsbereichs Medical Systems sieht Jäkel Philips insgesamt auf dem Weg zu einem schlagkräftigen Unternehmen.

Daan Muusers von der Friesland Bank Securities zeigte sich sich zuversichtlich, dass Philips den neuen Ergebnisplan erreichen werde. Voraussetzung sei dabei allerdings, dass das Wachstum die zehn Prozent überschreite und die Margen auf 8 bis 10 Prozent von derzeit 7,7 % stiegen.

Die Ergebnisse der Halbleitersparte seien im Rahmen der Erwartungen, sagte Muusers weiter. Der Umsatz in diesem Kerngeschäft stieg um 55 % auf 5,88 Mrd Euro, der Gewinn belief sich auf 1,35 Mrd Euro. Die Preise seien hier um drei Prozent zurückgegangen, weitaus weniger als im Vorjahr, erklärte Philips. Der Markt habe sich im Berichtszeitraum stark verbessert gezeigt. Dies werde sich aber zumindest zu Beginn des neuen Geschäftsjahres nicht fortsetzen. Der Finanzvorstand von Philips Electronics, Jan Hommen, rechnet mit einem Umsatzrückgang der Halbleitersparte im ersten Quartal 2001. Der Umsatz werde im Vergleich zum vierten Quartal 2000 um rund 15 % niedriger sein, erklärte er. Für das Gesamtjahr hingegen erwartet Hommen ein Umsatzplus von 15 %. Analyst Marco Schram von Delta Lloyd erklärte hingegen, die Zahlen seien auf den ersten Blick recht "armselig". Als entäuschend wertete er das organische Wachstum der Komponentensparte. Der Umsatz erhöhte sich nach Angaben von Philips um 22 % auf 4,56  Mrd. Euro. Der Gewinn aus dem fortlaufenden Geschäft dieser Sparte verdoppelte sich auf 569 (286) Mio Euro.

Währenddessen war Jan-Willem Berghuis von Kempen & Co positiver gestimmt. Die Zahlen seien im Rahmen der Erwartungen, sagte er. Mit den schlechter werdenden Bedingungen im PC- und im Mobilfunkmarkt sei gerechnet worden. Zufrieden äußerte er sich über die Heraufsetzung der Unternehmenspläne.



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