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09.04.2003

12:25 Uhr

Wichtiger Frühindikator

Industrie-Orderminus unerwartet niedrig

Eine geringere Nachfrage aus dem Ausland hat der deutschen Industrie im Februar weniger Aufträge beschert als im Vormonat. Das Orderminus fiel jedoch wie schon zuvor der Produktionsrückgang unerwartet gering aus. Von Januar auf Februar sei das Auftragsvolumen saisonbereinigt um 0,6 % zurückgegangen, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Mittwoch mit.

Reuters BERLIN. Volkswirte sprachen von unerwartet guten Zahlen und rechnen auf Grund der jüngsten Daten mit einem leichten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel einen stärkeren Rückgang um 1,3 % als Gegenbewegung zum kräftigen Anstieg von 4,1 % im Januar erwartet. Im Vergleich zum Februar 2002 lag das Ordervolumen nach Reuters- Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten 2,9 % höher. Das BMWA erklärte, der Rückgang der Bestellungen resultiere aus einer Abnahme der Auslandsaufträge um 3,7 %. Diese hatten im Januar noch um 8,7 % zugelegt.

Mehr Aufträge aus dem Inland - Weniger aus dem Ausland

Aus dem Inland verzeichnete die Industrie im Februar 2,1 % mehr Aufträge als im Vormonat. Der Ordereingang der Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung. Die Daten können aber von Monat zu Monat etwa wegen Großaufträgen stark schwanken. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Januar/Februar zu November/Dezember stieg das Auftragsvolumen um 1,6 %.

In Westdeutschland ging das Ordervolumen im Februar um 0,8 % und in Ostdeutschland um 0,2 % zurück. Vorleistungsgüterproduzenten erhielten den BMWA-Angaben zufolge 0,3 % weniger Aufträge als im Januar. Die Bestellungen von Investitionsgütern sank um 0,8 %, während die Nachfrage nach Konsumgütern um 1,1 % zurückging.

Analysten: Wohl keine BIP-Minus im ersten Quartal 2003

Die deutsche Produktion war im Februar wie der Auftragseingang weniger stark als erwartet zurückgegangen. Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung von Volkswirten damit zum Jahreswechsel um eine Rezession herumgekommen sein. Die Experten warnen zwar weiter vor zu großen Hoffnungen auf einen schnellen Aufschwung, rechnen aber auch nicht mehr mit einer Rezession in Deutschland. Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank sagte zu den jüngsten Daten: "Das zeigt, dass sich Produktion und Aufträge in den ersten beiden Monaten auf gutem Niveau gehalten haben." Dies spreche nicht für ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal. Nach einem Ende des Irak-Kriegs dürfte es im zweiten Quartal zu einer Aufwärtsentwicklung kommen. "Das Tief bei den Wachstumsprognosen dürften wir erreicht haben", sagte Angenendt. Auch Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet für die Monate Januar bis März keinen Rückgang des BIP zum Vorquartal.

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