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14.06.2000

17:13 Uhr

dpa HAMBURG/VADUZ. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat der Geldwäsche im Steuerparadies Liechtenstein den Kampf angesagt. Dem Hamburger Magazin "Stern" sagte DM Pieth, Präsident der OECD-Arbeitsgruppe zur Korruptionsbekämpfung, in Zukunft solle es "anonyme Stiftungen, Nummernkonten oder dergleichen" im Fürstentum nicht mehr geben. Die begünstigte Person dahinter müsse bekannt sein. "Ist dies nicht der Fall, darf keine Bank mehr die Gelder dieses Treuhänders verbuchen." Bis spätestens 2001 sollen die 29 Wirtschaftsminister der großen Industrienationen diese Normen konkretisieren.

"Es gibt für uns momentan keine Veranlassung, Nummernkonten abzuschaffen oder irgendwelche Schritte in diese Richtung zu unternehmen", sagte der Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes, Philip Schädler, auf Anfrage in Vaduz. "Die Frage der Nummernkonten betrifft auch alle anderen Off-Shore-Finanzplätze", ergänzte er. "Es ist derzeit aber offenbar eine Mode, sich Liechtenstein herauszupicken und mit dem Hammer daraufzuschlagen."

Fürst Hans-Adam II. erklärte im Gespräch mit der Zeitschrift "Neue Revue", die Angriffe unter anderem durch den deutschen Finanzminister Hans Eichel schüchterten ihn nicht ein. Dieser Sturm werde vorübergehen. Der wahre Grund für die Kritik an Liechtenstein sei nicht der Geldwäsche-Skandal, sondern die Bestrebungen der EU nach Steuerharmonisierung und der Abschaffung des Bankgeheimnisses.

Der Fürst betonte, der Ruf Liechtensteins habe auch durch die Spendenaffäre der CDU keineswegs gelitten. "Ich höre, dass mehr Gelder in den letzten Monaten geflossen sind als je zuvor", sagte er. Wer die Steueroasen angreife, stelle "das Problem auf den Kopf". Nach Ansicht des Fürsten sind so hohe Steuern wie in Deutschland "unmoralisch". "Da kann man im Grunde nur noch von Leibeigenschaft und Sklaverei sprechen", erklärte er.

Pieth beschuldigte unterdessen die Regierung von Liechtenstein, sie habe die dubiosen Geschäfte ihrer Treuhänder gedeckt. "Sonst hätte sie wohl kaum die Rechtshilfeersuchen anderer Länder selbst in Fällen schwerster Kriminalität abgelehnt." Der Fürst selbst habe "jahrelang über seine Anteile an der Bank in Liechtenstein an den obskuren Praktiken des Finanzplatzes partizipiert".

Mehrere Treuhänder und Banken Liechtensteins stehen im Verdacht, Drogengelder krimineller südamerikanischer Banden gewaschen zu haben. Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Geheimpapier des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), in dem der BND Banken, Polizei und Justiz vorwarf, in dem Kleinstaat ein illegales Netz zur Geldwäsche aufgebaut zu haben.

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