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22.01.2001

14:29 Uhr

Wie erwartet hat sich die Stimmung weiter eingetrübt

Ifo-Geschäftsindex sinkt auf 96,5 Punkte

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Dezember weiter eingetrübt und wird sich nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts auch in den kommenden Monaten nicht verbessern. Der Geschäftsklimaindex Westdeutschland sank auf 96,5 von 97,0 Punkten im Vormonat, teilte das Institut am Montag mit.

Reuters FRANKFURT. Der Index fiel damit zum siebten Mal in Folge und erreichte seinen niedrigsten Stand seit Oktober 1999. In den nächsten Monaten wird sich die Abkühlung der deutschen Konjunktur nach Ansicht des Ifo-Instituts weiter fortsetzen. Die Steuerreform belebe die Konjunktur ersten Umfragen zufolge bislang nur verhalten. Analysten machten für die Verschlechterung der Stimmung vor allem die wirtschaftliche Abkühlung in den USA verantwortlich. Der Euro gab nach Veröffentlichung der Daten nach.

Auch Zukunfserwartungen sind negativ

"Der Abschwung geht noch voran. Auch die Erwartungen sind diesmal eindeutig negativ", sagte Gernot Nerb, Leiter der Abteilung Konjunkturumfragen beim Ifo-Institut in einem Reuters-Interview. Der Index sei im Dezember deutlicher gesunken als im Vormonat und die Geschäftserwartungen seien diesmal eindeutig negativ. Der Beurteilungsindex sank den Angaben zufolge auf 92,0 (Vormonat 92,4) Punkte, der Erwartungsindex ging auf 101,1 (101,6) Punkte zurück. Die Konjunkturabschwächung beschränkt sich nach den Worten Nerbs nicht auf einzelne Branchen. "Es ist ein Rückgang auf breiter Front, in den meisten Sektoren." Ein tiefer Einbruch der Konjunktur ist nach Ansicht Nerbs derzeit jedoch nicht zu befürchten.

Auch in Ostdeutschland hat sich die Stimmung im Dezember verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex Ost wurde mit 105,1 Punkten nach 106,4 (revidiert von 106,3) Punkten im November festgestellt. Auch die Beurteilungen und Erwartungen trübten sich in Ostdeutschland nach Ifo-Angaben ein.

US-Wirtschaftszahlen drücken auf deutsche Stimmung

Vor allem die Abkühlung der Wirtschaft in den USA hat Analysten zufolge auf die Stimmung in Deutschland gedrückt. "Wahrscheinlich haben sich die Erwartungen vor allem durch die verschlechterte US-Konjunktur eingetrübt", sagte Hans-Jürgen Meltzer von Deutsche Bank Research. Allerdings wird sich die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der Volkswirte voraussichtlich nicht so stark abkühlen wie die US-Konjunktur. "Wir rechnen mit einer Konjunkturabkühlung, aber in geringerem Ausmaß als in den USA auf Grund der Steuerreformen, steigender privater Nachfrage und rückgehenden Arbeitslosenzahlen, die wir hier haben", sagte Lothar Hessler von HSBC Trinkhaus.

Bisher hat die Steuerreform der deutschen Konjunktur nach Angaben des Ifo-Instituts jedoch noch keinen deutlichen Nachfrageimpuls beschert. "Im Einzelhandel kann man bisher noch keine Änderung sehen", sagte Nerb. Es herrsche erhebliche Skepsis in der Branche, denn die Wirkung der Steuersenkungen würden voraussichtlich verhalten ausfallen.

Euro fiel auf Tagestief

Der Euro fiel nach den Zahlen um rund 0,3 US-Cents auf ein vorläufiges Tagestief von 0,9291 $. Im weiteren Verlauf erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder leicht auf Kurse von knapp über 0,93 $.

Mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sagte Nerb, auf Basis der Umfrageergebnisse seines Institutes gebe es derzeit "keinen unbedingten Handlungsbedarf" für Zinssenkungen in der Euro-Zone. Allerdings könnte es nach einer weiteren Zinssenkung in den USA auch im Euro-Raum mehr Spielraum für Zinssenkungen geben. Die amerikanische Notenbank (Fed) wird am 30./31. Januar über die Leitzinsen in den USA beraten.

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