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01.03.2006

08:51 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Die große Welle rollt

VonFrank Wiebe

Konzernchefs sind offenbar auch nicht klüger als Kleinanleger. Wie anders ist sonst die aktuelle Übernahmewelle zu erklären, die quer durch ganz Europa rollt? Kaufen, nachdem die Kurse gestiegen sind, lautet die Devise.

Bei den Banken schlägt BNP in Italien zu, nachdem Unicredito im letzten Jahr die bayerische HVB gekauft hat. Die Stahlindustrie wird von Indien aus aufgemischt. Und die Energieversorger spielen zurzeit eine Art „Stratego“ mit politischer Flankendeckung und martialischen Untertönen. Die Investmentbanker reiben sich die Hände, weil es was zu verdienen gibt. Die Börsianer und die Journalisten freuen sich, weil keine Langeweile aufkommt. Aber was bedeutet die Welle aus Sicht der Anleger?

Das alles spielt sich ab, nachdem die Börsen sich erholt haben. Und bestätigt ein altes Muster: Wenn die Aktien steigen, kommt es zu Übernahmen. Dabei sollte der gesunde Menschenverstand nahe legen, Unternehmen dann zu übernehmen, wenn sie billig sind.

Freilich gibt es einige Feinheiten zu beachten. Im letzten Börsenboom kurz vor der Jahrtausendwende wurden viele Übernahmen mit eigenen Aktien bezahlt. Da spielte der Kaufpreis keine Rolle: Überhöhte Preise wurden mit überteuerten Papieren bezahlt. Die Spätfolgen sind in der Bilanz zu besichtigen – wie jetzt bei Vodafone: Die Briten haben ihre überteuerte Mannesmann-Übernahme endlich buchungstechnisch bereinigt.

Bei den heutigen Übernahmen gilt dagegen die Devise: Bargeld lacht. Wichtig außerdem: Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Gewinne dramatisch gesteigert.

Das hat zwei Effekte. Die Aktien sind, auch wenn die Kurse gut zugelegt haben, nicht unbedingt teurer geworden, denn ihr Preis ist ja in Relation zu den Gewinnen zu sehen. Daher sind trotz der Kurserholung auch heute Käufe zu vernünftigen Konditionen möglich. Der zweite Effekt: Die hohen Gewinne haben vielen Unternehmen hohe Bargeldbestände beschert. Und hier liegt die Gefahr: Wer viel Geld hat, schaut bei einer Übernahme vielleicht nicht so genau auf die erzielbare Rendite.

Wer „gute“ von „schlechten“ Übernahmen unterscheiden will, sollte daher auf die Bewertungen der Aktien schauen. Und auf die Begründungen: Je mehr von „Strategie“ statt von Renditen die Rede ist, desto größer ist die Gefahr, dass ein Konzernchef den Pfad der finanziellen Tugend verlässt.

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