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12.04.2006

12:38 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Eine Chance für die PKV

VonFrank Wiebe

Im Sommer kommt die Gesundheitsreform. Wie sie aussieht, wissen wir nicht. Aber in einem Punkt herrscht nahezu Gewissheit: Es wird keine große Reform. Zu weit liegen die Standpunkte von CDU und SPD auseinander.

Für die privaten Krankenversicherer liegt darin eine Chance. Zwar werden sie nicht ungeschoren davonkommen – die Versuchung, ihnen Geld abzuzwacken, ist einfach zu groß. Auf der anderen Seite dürfte aber die kleine Kompromissreform die grundlegenden Strukturen unangetastet lassen.

Das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung (PKV) wäre vor allem bei der Einführung einer echten Bürgerversicherung gefährdet gewesen. Aber auch die Kopfpauschale der CDU fand in der Branche keine große Gegenliebe. Wenn die Politik sich durchwurschtelt, kann die PKV erst einmal weitermachen wie bisher. Das heißt nicht, dass sie den Wandel aussitzen könnte. Aber sie bekommt ihn nicht auf einen Schlag.

Trotzdem muss die PKV wachsam bleiben. Erstens kann es sein, dass die kleine Reform so schlecht funktioniert, dass in wenigen Jahren – dann mit einer anderen Regierung – eine große nachgeschoben wird. Und zweitens dürften sich aus Kostengründen auch bei einer kleinen Reform im Laufe der Jahre zwei Trends fortsetzen: Nach und nach werden mehr Bürger in die gesetzliche Kasse gezwungen, zugleich kürzen die Kassen ihre Leistungen. Beides zusammen bedeutet eine Art Bürgerversicherung auf Raten. Und für die PKV heißt das, dass sich ihr Schwerpunkt weiter von der Voll- auf die Zusatzversicherung verlagert.

Die Branche muss sich daher in zwei Richtungen weiterentwickeln. Sie braucht noch mehr attraktive Produkte in der Zusatzversicherung. Und sie muss an ihrer Kostenstruktur arbeiten. Denn eine künftige Reform könnte sie doch noch in ein Einheitssystem zwingen und damit dem direkten Wettbewerb mit den gesetzlichen Kassen aussetzen; bisher gibt es ja zwei Systeme, wobei nur ein kleiner Teil der Bürger zwischen beiden wählen kann. Die gesetzlichen Kassen haben schon durch ihre Größe relativ gute Kostenstrukturen. Und Service für ihre Kunden haben sie in den vergangenen Jahren auch entwickelt. Die PKV hätte ihnen gegenüber also keinen leichten Stand, wenn sich der Wettbewerb verschärft.

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