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15.03.2006

14:00 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Fusionen und ihre Folgen

VonFrank Wiebe

Die Börse gerät immer stärker in einen Fusionsrausch. Das gehört dazu in manchen Marktphasen: wenn die Party zu Ende geht. Auch die Überzeugung, dass es diesmal doch anders sei als beim letzten Rausch, gehört dazu.

Nach der Party kommt der Kater. Bei den Unternehmen, die tatsächlich fusionieren, fängt die richtige Arbeit erst an – und sie kann Jahre dauern. Vor der Fusion ist meist von Synergieeffekten die Rede, nach der Formel: 1+1 >2. Aber es gibt auch den umgekehrten Effekt: 1+1<2. Dafür gibt es nicht so ein griffiges Schlagwort wie „Synergieeffekt“. Aber er ist ebenso real. Welcher der beiden Effekte häufiger auftritt, gibt den Ausschlag für den Erfolg der Fusion.

Zwei Faktoren spielen entscheidende Rollen: Macht und Größe. Wenn die Machtfrage nicht klar entschieden wird, kann eine Fusion nicht gelingen. Das Problem existiert nicht nur auf der obersten Ebene, wo es die Öffentlichkeit sieht. Auch auf den nachgeordneten Hierarchiestufen muss rasch geklärt werden, wer das Sagen hat. Sonst existieren letztlich die alten Abteilungen weiter und haben zusätzlich immensen Abstimmungsbedarf untereinander – das ist das Gegenteil von Synergie.

Leicht übersehen wird auch, dass Größe für Unternehmen durchaus nicht nur Vorteile hat. Große Organisationen haben meist die Tendenz, von selbst weiter zu wachsen, Wasserköpfe zu bilden, Doppelfunktionen oder Strukturen hervorzubringen, bei denen sich Leute gegenseitig beschäftigen, ohne viel zum Ziel des Unternehmens beizutragen. Eine Fusion kann diesen Trend verstärken, weil das neue Unternehmen noch größer und komplizierter ist.

Eine Fusion ist für die Manager, die sie umsetzen müssen, daher eine große Herausforderung. Sie müssen einerseits schnell und zupackend handeln, damit ihnen die Entwicklung nicht entgleitet. Sie benötigen eine klare Vorstellung, wie sie die Organisation trotz der neuen Größe schlank halten können. Auf der anderen Seite brauchen sie hohe soziale und kommunikative Kompetenz, um möglichst schnell ein neues „Wir-Gefühl“ zu erzeugen. Kein Wunder, dass viele Manager damit überfordert sind.

Die Topleute brauchen etwas, was sehr selten ist: Ausstrahlung, Charisma, verbunden mit glasklarem Verstand.

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