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10.01.2007

10:55 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Gerling und die Folgen

VonFrank Wiebe

Zwei große Industrieversicherer gibt es nur noch in Deutschland – Allianz und Talanx/Gerling. Gleichzeitig verabschiedeten sich andere kleinere Versicherer aus dem Industriegeschäft, weil sie die Nase voll hatten von roten Zahlen. Nun dreht sich der Trend.

Industriegeschäft ist „gaaanz fein“, aber man kann damit leider kein Geld verdienen. So hat ein früherer Pressesprecher von Gerling einmal das Kerngeschäft seines Hauses dargestellt – halb im Scherz und natürlich nicht zur Veröffentlichung gedacht.

Es kam dann schlimm genug: Gerling geriet tatsächlich in die Krise und hat letztlich erst wieder im Hause des neuen Mutterkonzerns Talanx Halt gefunden. Damit blieben nur noch zwei wirklich große Industrieversicherer übrig – Allianz und Talanx/Gerling. Gleichzeitig verabschiedeten sich andere kleinere Versicherer aus dem Industriegeschäft, weil sie die Nase voll hatten von roten Zahlen.

Nun dreht sich der Trend. Zum einen steigen einige mittlere deutsche Versicherer, etwa die Gothaer, wieder stärker ins Industriegeschäft ein. Außerdem kommen die Ausländer. Zu Jahresanfang gingen gleich zwei Versicherungen – die australische QBE und die japanische Mitsui – von Düsseldorf aus in die Offensive. Beide unter Führung eines Ex-Gerling-Managers – was kein Zufall ist. Denn fachlich hatte der Kölner Industrieversicherer immer ein Top-Image. Und nicht jeder bei Gerling ist glücklich im Hause Talanx, zumal das Industriegeschäft komplett nach Hannover umziehen soll.

Die Trendwende am Markt hat gute Gründe. Die Versicherer haben am Kapitalmarkt in den vergangenen Jahren ordentlich verdient. Sie haben auch ihre Strukturen bereinigt. Beides gibt ihnen Spielraum, wieder auf Expansionskurs zu gehen. Aus ausländischer Sicht kommt hinzu: Old Germany ist bei Investoren zurzeit gefragt, deutsche Mittelständler gelten wieder als Vorzeigeunternehmer. Auch das lockt Versicherungskonzerne ins Land. Und schließlich hat die Schwäche von Gerling und die Fusion mit Talanx den Markt geschwächt und damit auch für neue Anbieter geöffnet.

Unproblematisch ist die Entwicklung trotzdem nicht. Denn die Preise der Industrieversicherer stehen unter Druck, der Zyklus kippt. Das abgelaufene Jahr brachte relativ wenig Schäden. Das ist gut für die Bilanz 2006, aber schlecht für die Preisverhandlungen. Es muss sich also noch zeigen, wie viel der Markt auf längere Sicht tatsächlich hergibt. Und welche Anbieter den Kunden eine langfristige Partnerschaft bieten können.

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