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02.01.2008

14:44 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Grund zur Hoffnung

VonFrank Wiebe

Bei klirrender Kälte verabschiedete die Band "Monrose " in Berlin das Jahr 2007 vor einem Millionenpublikum - mit ihrem Hit "Hot Summer". Ein heißer Sommer war es vor allem für die Finanzbranche, gefolgt von einem turbulenten Herbst. Doch die Entwicklung des vergangenen Jahres gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus - die Branche lernt in kleinen Schritten.

HB. Von den Turbulenzen an den Finanzmärkten werden die drei Popstars, die ganz mit ihrer Traumkarriere beschäftigt waren, wenig mitbekommen haben - und viele ihrer Fans ebenso wenig.

Und das ist die gute Nachricht zur großen Finanzkrise: Für den normalen Bürger hat sie zumindest in Deutschland kaum stattgefunden. In Großbritannien gab es immerhin einen kurzfristigen Run auf die Bankschalter, außerdem droht dort der Verfall des Immobilienmarktes. In den USA rückt die Krise den Menschen noch näher auf den Leib. Trotzdem gilt selbst dort: Gemessen daran, dass das internationale Finanzsystem nur mit massiver staatlicher Hilfe überlebt hat, dürften sehr viele Leute vergleichsweise wenig von den Turbulenzen gemerkt haben. Nicht einmal die Aktienmärkte haben sich beeindrucken lassen.

Dieser Aspekt gibt Anlass zu einem vorsichtigen Optimismus für das neue Jahr. Zwar sollten wir uns nichts vormachen: Gute Vorsätze sind an den Finanzmärkten noch sinnloser als im richtigen Leben. Wer glaubt, nun kehre die Vernunft in die Hochhausetagen an Hudson, Themse, Main, Rhein oder Elbe ein, der irrt. Die Finanzbranche wird von der Gier nach Geld getrieben, das wird sich nie ändern, und das wird auch immer wieder zu Exzessen und Krisen führen. Und wir werden auch immer wieder ganz neue Arten von Krisen erleben, die aus Innovationen auf den Finanzmärkten erwachsen.

Trotzdem gibt die Entwicklung des vergangenen Jahres die Hoffnung, dass das gesamte Finanzsystem - einschließlich Wirtschaftsprüfern, Notenbanken, Aufsehern und Regierungen - doch in kleinen Schritten dazulernt. Bei aller Kritik, die man etwa an der weichen Linie der US-Notenbank oder an dem späten Eingreifen der britischen Behörden äußern kann: Letztlich haben sie auch eine Menge richtig gemacht. Das gilt genauso für die deutsche Finanzaufsicht, und für die EZB. Und einige Großbanken, wie Merrill Lynch, haben es immerhin geschafft, ihren Chef in die Wüste zu schicken und die Bilanz aufzuräumen. Hoffen wir also, dass es 2008 wieder einen "heißen Sommer" gibt - aber nur, was das Wetter und die Popstars betrifft.

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