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09.01.2008

08:23 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Herrin über Milliarden

VonFrank Wiebe

Die neue Chefin steht für eine Fortsetzung der Tradition: Seit Anfang des Jahres leitet Cindy Sweeting den legendären Templeton Growth Fund. Obwohl der Fonds in den letzten Jahren schwächelte, lässt sich Sweeting nicht von Trends und Bankanalysten beeinflussen - und das ist vermutlich gut so.

Es gibt auf der ganzen Welt nicht viele Männer, die für mehr als 40 Milliarden Dollar verantwortlich sind. Und noch weniger Frauen. Cindy Sweeting ist eine davon. Seit Anfang des Jahres leitet sie den legendären Templeton Growth Fund. Ihr Vorgänger, der gelernte Rechtsanwalt Murdo Murchison, kehrt nach sieben Jahren von Nassau zurück nach Edinburgh. Ob er auf den Bahamas das kühle schottische Wetter vermisst hat oder gehen musste, weil der Fonds zu schlecht lief, werden wir wohl nie so genau erfahren.

Sweeting ist seit über zehn Jahren bei Templeton und hatte dort eine leitende Position im Aktienresearch. Und ihr voriger Arbeitgeber saß auch schon auf Nassau - so dürfte sie mit dem Klima keine Probleme haben. Sie ist erst die vierte Chefin des Fonds, den im Jahr 1954 John Templeton persönlich gegründet hat.

Templeton hat dem Fonds zwei eherne Grundsätze mitgegeben: sich vom Geschwätz der Bankanalysten und kurzfristigen Trends nicht beirren lassen, nur auf die Bewertung der einzelnen Aktien schauen. Die Researchteams sitzen daher nicht in New York oder London, sondern in Städten wie Fort Lauderdale und Edinburgh.

Die neue Chefin steht für eine Fortsetzung der Tradition. Wahrscheinlich ist das eine gute Entscheidung, obwohl der Fonds in den letzten Jahren nicht mehr so gut lief. Aber es hat wenig Sinn, einen Stil zu verwässern - dann wissen die Anleger gar nicht mehr, woran sie sind.

Vor allem die internationale Finanzkrise hat den Fonds auf dem falschen Fuß erwischt. Denn er hatte relativ stark in Finanztitel investiert, weil die niedrig bewertet waren. Die europäische Anleger hat zudem der Fall des Dollars getroffen - die USA machen fast 40 Prozent des Portfolios aus. Beides könnte in einem Jahr wieder anders aussehen: Einige US-Banken schreiben jetzt radikal Vermögen ab - später zeigt sich vielleicht, dass sie dadurch stille Reserven angelegt haben.

Für Anleger sind simple Indexfonds oft die beste Wahl, weil sie wenig kosten und das aktive Management meist doch nicht viel bringt. Aber aktive Fonds, die bewusst gegen den Strom schwimmen, dämpfen als Beimischung zum Depot das Risiko. Freilich: Es gibt kleinere Fonds dieser Art, die in letzter Zeit besser gelaufen sind als der Templeton Growth Fund.

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