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24.01.2007

12:56 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Hoch oben in Davos

VonFrank Wiebe

Zurzeit rückte eine Frage in den Blickpunkt: Wie lassen sich die praktischen Folgen des Klimawandels finanzieren? Hier kommen gewaltige Aufgaben auf die Menschheit zu, die Politik und Finanzmärkte gemeinsam lösen müssen – und deren Vertreter jetzt in Davos zusammensitzen.

Treffen sich in Davos die Vordenker oder die Nachdenker? Anders gefragt: Diskutiert die Weltelite dort neue Themen oder beschäftigt sie sich mit Trends, die längst bekannt sind?

Eines der großen Themen dort ist die Klimakatastrophe. Die Wahl dieses Sujets ist nicht sehr originell – wer einigermaßen wach durchs Leben läuft, kennt es seit 20 Jahren. Aber im Moment stürzen sich Politiker, Unternehmen und Medien darauf und überbieten sich mit wohl klingenden, viel zu spät nachgebeteten Erkenntnissen.

Der Modetrend ist nicht frei von Absurditäten. Die Autoindustrie entwickelt Sprit sparende Hybridmotoren am liebsten für tonnenschwere Geschosse; der Staat subventioniert immer noch die Luftfahrt; im ach so umweltbewussten Deutschland braucht ein Politiker, der ein Tempolimit vorschlägt, bei der nächsten Wahl gar nicht erst anzutreten. Die Alternativen tun so, als könnte man mit Solarzellen die Welt retten, und die Atomfetischisten tanzen im grünen Kleid.

Doch lassen wir das für einen Moment beiseite. Zurzeit rückte eine andere Frage in den Blickpunkt: Wie lassen sich die praktischen Folgen des Klimawandels finanzieren? Hier kommen gewaltige Aufgaben auf die Menschheit zu, die Politik und Finanzmärkte gemeinsam lösen müssen – und deren Vertreter sitzen ja jetzt in Davos zusammen.

Die Alpenländer müssen neue Projekte aufbauen, um auch ohne Schnee den Tourismus zu erhalten. Verkehrstechnische Probleme sind zu lösen, wenn die Flüsse künftig regelmäßig austrocknen, weil die regulierende Kapazität der Gletscher verschwindet. Mediziner sorgen sich, dass die Malaria nach Norden vorrückt. Die Küstenländer brauchen höhere Deiche – wer finanziert das in Schwellenländern? Welche Optionen gibt es für den Fall, dass zum Beispiel Teile von Bangladesch evakuiert werden müssen, weil der Meeresspiegel steigt? Bauen wir höhere Grenzzäune, lassen wir noch mehr Menschen auf Schiffen über die Weltmeere irren und stellen Kapitäne vor Gericht, die sie ans Land bringen wollen? Wie viele Risiken können die Weltfinanzmärkte noch verkraften?

Davos liegt hoch über dem Meeresspiegel – vielleicht zu hoch. Die Weltelite sollte künftig die Gummistiefel statt der Skiausrüstung einpacken und sich irgendwo im Süden am Meer treffen.

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