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28.01.2009

07:00 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Sauerländer Weisheiten

VonFrank Wiebe

Viele Mittelständler haben bereits Krisen erfolgreich durchgestanden. Anders als Bankvolkswirte oder manche strategische Planer in Großkonzernen haben sie häufig in der Vergangenheit schon Phasen einbrechender Umsätze oder Monate fehlender Aufträge erlebt. Somit könnte der Mittelstand in der jetzigen Krise zu einem wichtigen konjunkturellen Stabilisator werden.

Gibt es nun eine Kreditklemme für den Mittelstand oder nicht? Die Antwort darauf lautet ganz klar: Das kommt darauf an. Ein Unternehmen, das - um ein krasses Beispiel zu konstruieren - zur Autozulieferbranche gehört, nur zwei Großkunden hat, von einer Private-Equity-Gesellschaft schon bis zur Halskrause mit Schulden vollgeschüttet wurde und technologisch nicht sonderlich einzigartig ist: Ja, für solche Unternehmen dürfte es jetzt sehr schwer sein, noch mehr Kredite zu bekommen. Eine Gesellschaft dagegen, die nichts mit Autos zu tun, aber viele Kunden, solides Eigenkapital und einen einzigartigen technologischen Vorsprung hat - da dürfte noch was gehen.

Es gibt freilich auch Betriebe die kommen ganz ohne Kredite aus - mit 100 Prozent Eigenkapital. "Ich kenne Unternehmer, die sagen: ?Mir kommt keine Bank ins Haus?", erzählte Hans-Gert Mayrose, Vorstand der Mittelstands-Holding Gesco, vor kurzem auf dem Düsseldorfer Finanzforum. Er hat sie vor allem im Sauerland angetroffen, aber es gibt sie auch in anderen Gegenden, wo die Menschen noch so knorrig wie Bäume der sie umgebenden Landschaft sind. Ein Grund für die Null-Bank-Einstellung sind dabei häufig die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, vor allem in den Jahren, bevor die Banken den Mittelstand plötzlich als interessante Kunden wiederentdeckten. Nicht immer hilfreich für die Beziehung zur Bank waren auch die umständlichen Ratingverfahren, die nach den neuen Kapitalregeln ("Basel II") vorgeschrieben sind.

Auf die Sauerländer Einzelkämpfer und ihre Kollegen in anderen idyllischen Teilen des Landes ruhen große Hoffnungen: Wenn sie durchhalten, ist die Konjunktur vielleicht noch zu retten. Hilfreich ist dabei, dass viele Mittelständler krisengewohnt sind. Anders als Bankvolkswirte oder manche strategische Planer in Großkonzernen haben sie häufig in der Vergangenheit schon Phasen einbrechender Umsätze oder Monate fehlender Aufträge erlebt und durchgestanden. Das gibt eine psychologische Krisenresistenz, von der wir uns alle eine Scheibe abschneiden können.

Viele dieser Mittelständler, sagte Mayrose, seien zudem bis ins hohe Alter Unternehmer aus Leidenschaft: "Es gibt in der Regel nur drei Gründe für solche Leute, sich zurückziehen. Entweder die Frau spielt nicht mehr mit, die Bank spielt nicht mehr mit, oder der Arzt sagt: ?Den nächsten Herzinfarkt überleben sie nicht.?"

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