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25.06.2000

14:51 Uhr

Wieder Hilfstransporte - Malaysische Geisel seit Donnerstag frei

Neue Hoffnung im Geiseldrama nach erster Freilassung

Die überraschende Freilassung einer ersten Geisel in dem Entführungsdrama auf den Philippinen hat Hoffnungen auf ein baldiges Ende des neunwöchigen Nervenkriegs genährt.

dpa MANILA/JOLO. Die überraschende Freilassung einer ersten Geisel in dem Entführungsdrama auf den Philippinen hat Hoffnungen auf ein baldiges Ende des neunwöchigen Nervenkriegs genährt. Dass der 29-jährige Malaysier auf freien Fuß gesetzt wurde, sei als Zeichen guten Willens der Kidnapper zu verstehen, sagte Regierungssprecher Ricardo Puno am Sonntag. Man hoffe nun, dass die Entführer "auch den letzten Schritt gehen und alle Geiseln freilassen". Derweil ist erstmals seit zwei Wochen wieder ein Hilfstransport auf den Weg zu den westlichen Entführten auf der Insel Jolo gebracht worden.

Chefvermittler Roberto Aventajado sagte zu der Freilassung: "Dies ist eine Botschaft, dass wir Gutes zu erwarten haben." Er hoffe, dass die anderen 20 Geiseln alle zur selben Zeit frei kommen. Gleichzeitig bemühten sich Mittelsmänner der Regierung darum, die Freilassung der erkrankten Renate Wallert aus Göttingen zu erreichen. Die Gespräche mit den Kidnappern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf sollen auf jeden Fall fortgesetzt werden, versicherte Aventajado.

Abgesandter bringt fünf Kartons mit Nahrung

Nach Angaben der Behörden auf der Insel Jolo war am Sonntag ein Abgesandter der Regierung mit fünf Kartons mit Nahrung und Medikamenten zu den westlichen Entführten aufgebrochen. Unter den Geiseln sind drei Mitglieder der Familie Wallert. Zu der Hilfslieferung zählen auch Briefe an die Gefangenen. Unklar blieb weiterhin, wann sie wieder medizinisch behandelt werden.

Eine Ärzte-Mission zu den getrennt gefangen gehaltenen asiatischen Geiseln war für Montag geplant. Der Gouverneur der südlichen Provinz Sulu, Abdusakur Tan, will sich nach eigenen Angaben bemühen, den "humanitären Korridor" zu den Geiseln aufrecht zu erhalten.

Malaysische Geisel seit Donnerstag frei

Die malaysische Geisel Zulkarnain Bin Hashim war nach den Worten Aventajados bereits am Donnerstagabend auf freien Fuß gesetzt worden. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag durfte der Wildhüter sich "aus Sicherheitsgründen" nicht zu den Umständen seiner Gefangenschaft äußern. Er sagte nur: "Ich danke Allah für den Segen meiner Freilassung. Ich hoffe, dass meine Freunde und die anderen Geiseln so schnell wie möglich ebenfalls freigelassen werden."

Malaysische Unterhändler hatten die Freilassung zumindest einer Geisel als Signal der Zustimmung zu einem Lösegeldangebot in Höhe von rund sechs Mill. DM für alle neun Malaysier verlangt. Ob die Kidnapper den 29-Jährigen daraufhin auf freien Fuß setzten, wurde offiziell bislang nicht bestätigt. Es sei kein Lösegeld geflossen, hieß es. Die malaysische Regierung bestritt unterdessen erneut, separate Verhandlungen mit den Moslem-Extremisten zu führen.

Malaysias stellvertretender Botschafter in Manila, Badruddin Ab-Rahman, sagte, er sei "glücklich" über die Freilassung von Zulkarnain Bin Hashim. "Aber wir wären noch glücklicher, wenn alle Entführten freikommen", betonte der Diplomat. Zulkarnain soll am Montag in seine malaysische Heimatprovinz Sabah zurückkehren.

Fieber nach Skorpion-Biss

Er war während seiner Gefangenschaft von einem Skorpion gebissen worden und kurzzeitig an Fieber erkrankt. Die Wirkung des Gifts sei mit heißem Wasser und glühender Zigarettenasche gelindert worden, berichtete Aventajado. "Er ist Wildhüter und weiß, wie man mit solchen Situationen im Urwald umgehen muss", sagte er.

Nach der Freilassung des 29-Jährigen sind neben den drei Mitgliedern der Familie Wallert noch immer acht Malaysier, zwei Philippiner, zwei Franzosen, zwei Südafrikaner, zwei Finnen und eine Libanesin in der Hand der Kidnapper. Sie waren von der malaysischen Taucherinsel Sipadan auf die Insel Jolo verschleppt worden.

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