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08.04.2003

08:55 Uhr

Wieder Journalisten getötet

„Focus“ und „El Mundo“ trauern um Kollegen

Bei einem irakischen Raketenangriff auf US-Truppen südlich von Bagdad sind gestern zwei Journalisten ums Leben gekommen, darunter der 35 Jahre alte "Focus"-Reporter Christian Liebig. Dies bestätigte das deutsche Nachrichtenmagazin gestern Abend.

Focus-Redakteur Christian Liebig. Foto: dpa

Focus-Redakteur Christian Liebig. Foto: dpa

mzi/dpa DÜSSELDORF. Bei dem anderen Getöteten handelt es sich um den 32 Jahre alten Korrespondenten der spanischen Zeitung "El Mundo", Julio Anguita Parrado. Die beiden Journalisten hatten als "embedded correspondents" Truppen der 2. Brigade der 3. Infanteriedivision der USA begleitet. Der in Offenbach am Main geborene Liebig gehörte der Auslandsredaktion des "Focus" seit 1999 an. Zuvor war er dreieinhalb Jahre Redakteur der Nachrichtenagentur AP. Laut US-Medienberichten wurde ein von den Amerikanern errichtetes taktisches Befehls- und Kommunikationszentrum in einem südlichen Vorort von Bagdad von der Rakete getroffen.

Reporter, die bei einer amerikanischen oder britischen Einheit "embedded" wurden, sind auf diese vollständig verpflichtet. Für die Journalisten existieren deshalb keine Sonderregeln. Sie müssen sämtliche Bewegungen mitmachen - auch Kampfeinsätze in vorderster Reihe. Auf die physische Fitness der Reportersoldaten wird nur begrenzt geachtet. Und der Kurzlehrgang, den die Journalisten absolvieren müssen, hat mit einer klassischen soldatischen Ausbildung wenig zu tun.

Die Gefahr für die Reporter ist deshalb groß, auch wenn sie bei den Truppen "eingebettet" sind. Denn während eines Gefechts haben die Soldaten keine Anweisung, den Journalisten besonderen Schutz zu gewähren. Im Gegenteil: Bringt ein Reporter umgekehrt das Leben eines Soldaten in Gefahr, droht ihm der Ausschluss aus der Einheit. Das sehen die Regeln vor.

Im Irak-Feldzug sind über 500 Journalisten bei den Einheiten als "eingebettet" registriert. Die Verteilung der Plätze hat das Pentagon in Washington vorgenommen. Bevorzugt wurden amerikanische und britische Journalisten. Die Journalisten verpflichten sich dabei, keine Informationen über ihren Standort oder Truppenbewegungen zu veröffentlichen.

Viele Journalisten, die nicht bei der Truppe arbeiten, haben sich auf "eigene Faust" auf den Weg an die Front gemacht. Das Risiko dort ist allerdings zumeist noch größer. Denn die Reporter, die häufig mit einem Allrad-Fahrzeug unterwegs sind, können leicht zwischen die feindlichen Linien geraten. So ist es nach wenigen Kriegstagen dem erfahrenen ITN-Reporter Terry LLoyd ergangen, der sich mit seiner Crew auf dem Weg nach Basra befand. Als er vor einer entgegenkommenden irakischen Fahrzeugkolonne umkehrte und dann vor ihnen herfuhr wurde er von britischen Soldaten beschossen. Die hatten zu spät bemerkt, dass ein unbeteiligtes Reporterteam an der Spitze der Kolonne fuhr. Terry LLoyd wurde von britischen Kugeln getötet. Noch gibt es keine klaren Angaben darüber, wie viele Journalisten bereits im Irak-Krieg ums leben gekommen sind. In Kuwait kursieren viele Meldungen über Kollegen, die sich seit Tagen nicht mehr gemeldet haben. Nicht alle sind dabei direkt in Kämpfe geraten. Manchen erging es dabei auch wie einer Gruppe von italienischen Journalisten, die von irakischen Soldaten gefangen genommen und nach Bagdad abtransportiert wurde.

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