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19.01.2001

17:38 Uhr

rtr SARAJEVO. Erstmals seit dem Ende des Bosnien-Krieges vor sechs Jahren hat ein jugoslawischer Präsident das unabhängige Bosnien-Herzegowina besucht, das früher zur sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien gehörte. Präsident Vojislav Kostunica erklärte am Freitag nach Gesprächen in Sarajevo, er habe mit der kollektiven Staatsführung Bosniens die Bildung einer Kommission besprochen, um die Wahrheit im Krieg von 1992-1995 herauszufinden. Kostunica, der sich für den Krieg Serbiens in den angrenzenden serbischen Gebieten Bosniens nicht entschuldigte, sprach von der schweren Aufgabe, die Wahrheit herauszufinden, und von Versöhnung.

Auf Halbwahrheiten und Lügen könne man nichts aufbauen, sagte Kostunica. Unter seinem Vorgänger Slobodan Milosevic hatte Serbien versucht, in Kriegen mit den serbischen Teilen Bosniens (und Kroatiens) ein Groß-Serbien zu gründen.

Die Bildung einer Kommission für Wahrheit und Versöhnung wurde von der UNO in Sarajevo begrüßt. Nach Gesprächen mit Kostunica sagte Jacques Klein von der UNO-Mission, es sei Zeit, an die Bildung einer solchen Kommission zu denken, um zu sehen, wie man konstruktiv weiterkomme.

Die Staatsführung Bosnien-Herzegowinas ist gemäß der staatsrechtlichen Konstruktion des von Serben, Kroaten und Moslems bewohnten Landes kollektiv. Gegenwärtig führt der Serbe Zivko Radisic. Alle vier Politiker zeigten sich mit einem gemeinsamen Handschlag den Fotografen.

Jugoslawien, das aus Serbien und Montenegro besteht, und Bosnien-Herzegowina hatten erst Ende letzten Jahren nach dem Machtwechsel in Belgrad diplomatische Beziehungen aufgenommen. Botschaften in Sarajevo und Belgrad sollen bereits bald eröffnet werden. Die benachbarten Länder wollen auch die Bahn - und Flugverbindungen wiederherstellen und für freien Handel sorgen.

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