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25.01.2001

17:23 Uhr

Windfonds: Eine langfristige Anlage

Mit Wind Geld verdienen

VonSimone Lehmann, Handelsblatt.com

Mit der Investition in einen Windfonds beteiligt sich der Anleger an der Betreibergesellschaft eines Windkraftprojekts. Die unternehmerische Beteiligung hat ihre Chancen und Risiken. Eckpunkte einer soliden Projektplanung sind die Erfahrung der Windprojektfirma, das korrekte Einschätzen der Windgeschwindigkeit am Standort und der Kosten für Wartung und Instandhaltung der Anlage. Checkliste für Windkraftfonds

sim DÜSSELDORF. Fährt man in Deutschland auf der Autobahn Richtung Norden sieht sie jeder links und rechts stehen. Auf einem hohen Mast befindet sich das Herz der Anlage. Weit sichtbar ist die Bewegung der Flügel. Sie drehen sich langsam und gleichmässig: Windkraftanlagen. Die Anzahl der "Windmühlen" im Land wuchs Anfang diesen Jahres auf 9375.
"Politische Unterstützung bekommen die Regenerativen Energien von der Europäischen Union und der Bundesregierung", sagt Andrew Murphy von Murphy & Spitz Umwelt Consult. Im Juni 1998 verabschiedete der Rat der Union eine Entschließung den Anteil regenerativer Energie bis 2010 auf 12 % zu verdoppeln. Die Bundesregierung sicherte im April 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die planerische Sicherheit von Windkraftfonds. Energieversorger müssen den "Windmüllern" einen festgesetzten Preis pro eingespeiste Stromeinheit zahlen. Unterstützt wurde das umstrittene Gesetz erst kürzlich vom Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof Francis Jacobs. In seinem Schlussantrag empfahl Jacobs das EEG-Vorläufergesetz als EU-konform zu bestätigen. Ein entsprechender Entscheid vom EU-Gerichtshof, der sich auch auf das EEG ausdehnen soll, wird in diesem Jahr erwartet.
Mit der steigenden Anlagenzahl, steigt auch die Summe der in Umweltfonds investierten Gelder. Von 500 Mill. DM im Jahr 1998 stieg das Investitionsvolumen auf über 3 Mrd. DM im November 2000, besagt eine Studie des Internet-Branchendienstes Ecoreporter.de im Auftrag des Öko-Zentrums NRW. Beim Direktinvestment sind vor allem Windkraftanlagen beliebt. Mehr als 50 000 deutsche Privatanleger haben rund 2 Mrd. Euro investiert und sind quasi Mitunternehmer einer Windturbine. Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen der Messe "Grünes Geld" vom 25. bis 27. Januar in Berlin vorgestellt.

Prüfkriterien für Windkraftfonds

Doch was kann der Anleger verdienen und welche Risiken gibt es? Tatsächlich gibt es Prüfkriterien, mit deren Hilfe zumindest verschiedene Angebote verglichen werden können. "Das Angebot ist groß, der interessierte Investor sollte auf jedem Fall den Beteiligungsprospekt anfordern" rät Andrew Murphy. Viele Planerfirmen haben mehrere Angebote zur selben Zeit, auch ein Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern würde sich lohnen.
Der Anlageprospekt ist die erste Quelle, um den Fonds beurteilen zu können. Erster Punkt, der zu klären ist, ist die Seriosität und Erfahrung des Windprojektplaners. Der Prospekt sollte eine Liste der Referenzprojekte enthalten. Anhand dieser Liste kann das Eintreffen der Planzahlen vergangener Projekte überprüft werden. "Alle Genehmigungen von Baugenehmigung bis Einspeisevertrag müssen vorliegen", so Murphy weiter "und eine Bankgarantie, falls nicht genug Eigenkapital durch Fondsanleger eingesammelt wird".
Danach sollten die Zahlen im Prospekt geprüft und verglichen werden. Das kann notfalls mit Hilfe eines Steuerberaters geschehen, der die persönliche steuerliche Situation berücksichtigen kann. Einen guten Vergleichswert über die Attraktivität des Angebotes bietet das Verhältnis von gesamter Investitionssumme zu jährlich erzeugter Strommenge. Die magische Grenze liege bei 1,35 DM pro eingespeister Kilowattstundenzahl, sagt Markus Stöhr von der Umweltbank. Beispiel: Kostet ein Windkraftprojekt insgesamt 15 Mill. DM und speisen die Windkraftanlagen jährlich 11 Mill. Kilowattstunden (kWh) in das Stromnetz, so berechnen sich die Investitionskosten zu 1,36 DM/kWh.
Ein wichtiger Punkt sind auch die Rücklagen, die für Wartung und Instandhaltung bzw. den Austausch von Komponenten gebildet werden müssen. Aufgrund des rasanten Entwicklungsfortschritts im Anlagenbau gibt es wenig Erfahrung über die Betriebskosten der meist nur wenige Monate alten Anlagen. "Die am Markt vorhandenen Angebote veranschlagen hier durchschnittlich 4 - 500 DM pro installierte Kilowattzahl. Der Trend geht aber eher zu Werten zwischen 6 und 700 DM pro installierte Leistung" so Stöhr. Im Prinzip liege das an dem wachsenden Leistungsvermögen und der zunehmenden Größe der Anlagen. Dadurch muss die Konstruktion höhere Kräfte aufnehmen und die Komponenten unterliegen größerem Verschleiß. Näheren Aufschluss gibt die "Studie zur aktuellen Kostensituation der Windenergie in Deutschland", erstellt vom Deutschen Windenergie Institut.

Die Windgeschwindigkeit am Standort wird meist geschätzt

Eine "windige Angelegenheit" ist für die Wirtschaftlichkeit des Projekts genau richtig. Den Wind braucht die Anlage, um durch die Drehung der Flügel Strom zu erzeugen. Je stärker der Wind desto reicher der Stromertrag und damit der Gewinn. Denn pro eingespeiste Kilowattstunde Strom zahlt der örtliche Energieversorger einen festgelegten Preis von 17,8 Pfennig in den ersten fünf Jahren. Die weitere Vergütung richtet sich nach der Windstärke am Standort.
Die Crux ist, dass meist aus Zeitgründen keine Windmessung vorgenommen, sondern ein Windgutachten erstellt wird. Die Aussagen eines Windgutachtens werden meist mit Hilfe eines komplexen Computermodels berechnet. In vielen Fällen werden die errechneten Daten mit gemessenen Daten benachbarter Windkraftanlagen abgeglichen. "Um bei dieser sensiblen Zahl auf Nummer Sicher zu gehen, sollte ein Sicherheitsabschlag von 10 % im Prospekt auftauchen. Gut ist auch, wenn ein zweites Windgutachten die Windstärke bestätigt", sagt Markus Stöhr von der Umweltbank. Ein schnell berechneter Fehler von 5 % der Windgeschwindigkeit wirkt sich mit fast 15 % Verlust auf die Stromproduktion aus. Denn die Windstärke geht mit dritter Potenz in die Formel für das Leistungsvermögen der Anlage.

Gesetze begrenzen Verlustzuweisungen

Einige Jahre lebten die Angebote an Beteiligungsfonds der Windkraftplaner, wie auch andere geschlossene Fonds, von großen Verlustzuweisungen und der daraus resultierenden Steuerersparnis für den Anleger. In Fondsprospekten wurden Renditen versprochen, die nach Einbeziehen der steuerlichen Situation des Anlegers doppelt so hoch waren wie vorher. Die Anleger konnten nämlich die Verluste der Anfangsjahre mit anderen Gewinnen und Einnahmen verrechnen. Der Fiskus reagierte im letzten Jahr und ergänzte das Einkommensteuergesetz (EStG) um die Paragraphen 2b und 2 Absatz 3. § 2b EStG und ein Anwendungsschreiben regeln den Status einer Verlustzuweisungsgesellschaft für geschlossene Fonds. Wird ein geschlossener Fonds aufgrund der dort genannten Kriterien als Verlustzuweisungsgesellschaft qualifiziert, können negative Einnahmen aus dieser Investition nur mit positiven Einnahmen, die der Investor "... aus solchen Einkunftsquellen erzielt hat, ..." verrechnet werden. Andrew Murphy von Murphy und Spitz Umwelt Consult sieht hierin aber kein Problem: "Fast alle Planergesellschaften haben reagiert und ihre Angebote entsprechend umgestellt. Zum Beispiel wird in den Prospekten der steuerliche Gewinn nicht mehr werblich dargestellt".
Mit § 2 Abs. 3 EStG wird die Verlustverrechnung generell begrenzt auf 100 000 DM für Ledige und 200 000 DM für Ehepartner. Verlustzuweisungen werden ab Anfang diesen Jahres auch durch die neuen Abschreibungstabellen begrenzt. Danach soll eine Windkraftanlage nicht mehr über 12 Jahre, sondern über 16 Jahre abgeschrieben werden.

10 000 DM ist die Startsumme für einen Windkraftfonds

Die Anlagesumme für ein Windkraftprojekt beginnt in der Regel bei 10000 DM und kann in 5000-er Schritten erhöht werden. Die Laufzeit beträgt in den meisten Fällen 20 Jahre. Einige Angebote entlassen den Anleger nach einer kürzeren Zeit. Bei diesen sogenannten "Kurzläufern" erhält der Anleger seine Einlage zu beispielsweise 106 % plus evt. jährliche Ausschüttungen zurück. Laut Umweltbank geht aber der Trend zum "Langläufer", da die Wirtschaftlichkeit des Projekts über die gesamte Anlagezeit durch das EEG abgesichert ist. Der Preis pro eingespeiste Kilowattstunde richtet sich nach der Qualität des Standortes und ist unabhängig vom durchschnittlich gezahlten Strompreis.
Die Rendite soll mit der Anlagedauer wachsen, da die jährlichen Ausschüttungen erst nach Tilgung der Darlehen stark steigen. Etwa 30 % der Gesamtinvestition wird über die Fondsanleger geworben. 70 % der Investitionssumme besorgt der Fondsinitiator über teilweise zinsverbilligte Kredite.

Eine Auswahl der Firmen, die Windkraftfonds anbieten, steht unter:
Bundesverbandes für Windenergie
Institut für Regenerative Energiewirtschaft
Ecoreporter.de
IST Windmesse

Das Umweltbundesamt hat eine Broschüre zum Thema "Mehr Wert: ökologische Geldanlagen" veröffentlicht. Die 50 Seiten umfassende Information soll besonders Investor-Neulinge sowie Anfänger in Sachen Öko-Investment ansprechen.
Ein Download der Broschüre steht unter www.bmu.de .

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