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22.05.2000

08:41 Uhr

„Wir müssen uns auf das Abenteuer Technik einlassen“

Profil: Martin Roth, Themenpark-Chef der Expo

VonCatrin Bialek

Der Themenpark soll das Herzstück der Expo 2000 sein. Noch nicht eröffnet zieht er bereits vielfältige Kritik auf sich: Er sei zu techniklastig und spiegele nicht die Probleme der Dritten Welt wider.

DÜSSELDORF. Wenn Martin Roth den Vorwurf hört, der Themenpark und die Expo 2000 überhaupt seien zu technikorientiert, gerät er in Rage. "Das ist doch Quatsch", sagt der Leiter des Themenparks energisch. Natürlich müsse Technik dabei sein, wenn man Themen wie Energie und Mobilität darstellen wolle. "Außerdem ist es höchst angesagt, sich endlich mal auf das Abenteuer Technik einzulassen."

Doch Roth fühlt sich auch zu Unrecht angegriffen: Schließlich hat er gemeinsam mit Expo-Chefin Birgit Breuel dafür gesorgt, dass die Technik nicht die gesamte Ausstellung beherrscht. Um Geld einzusparen hat das Bundeswirtschaftsministerium vor etwa zwei Jahren gefordert, die weicheren Themen - Gesundheit, Umwelt, Basic Needs und Ernährung - aus dem Themenpark auszuklammern. Darauf hätten sie sich aber nicht eingelassen, erzählt Roth. Und mussten die Kürzungen in Höhe von 70 Mill. DM anders einsparen. "Das war die schwierigste Aufgabe am ganzen Themenpark."

Nicht ganz einfach war es auch, die inzwischen mehr als 200 Kooperationspartner für den Themenpark zu begeistern. Vor allem die Wissenschaftsorganisationen hätten sich zunächst gesperrt, berichtet Roth. "Die hatten große Probleme, sich in anderer Art zu präsentieren als in Wortbeiträgen." Und zogen es denn vor, bei der Diskussionsreihe "Global Dialogue" mitzuwirken.

So hart die Überzeugungsarbeit auch war, für Roth, der selbst das Hygiene-Museum in Dresden leitet, ist die so genannte Public Private Partnership der richtige Weg für eine derartige Ausstellung. Und flapsige Bezeichnungen für den Themenpark wie "Disneyland" treffen ihn nicht besonders: "Es gibt viel, was wir von Disneyland lernen können." Zum Beispiel, die Besucher nicht als "unangenehme Störenfriede der Ausstellung" zu betrachten.

Das Ziel, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, meint er erreicht zu haben. Dabei ist er sich darüber im Klaren, dass in dem Themenpark nicht alle Meinungen abgebildet werden. "Um einen inhaltsreichen Diskussionsprozess in Gang zu setzen, muss man sich konzentrieren", sagt er zu Begründung. Ansonsten wäre es ja nur ein Markt der Möglichkeiten, eine oberflächliche Darstellung der Unternehmen.

Seiner Meinung nach geht die Konzentration auf wesentliche Themen allerdings nicht so weit, dass beispielsweise die Probleme der Dritten Welt vernachlässigt wurden. Dieser oft erhobene Vorwurf sei ihm ebenfalls ein Rätsel, sagt er - und setzt zur Erklärung an: Gerade die Probleme der Entwicklungsländer würden in den "Global Dialogues" diskutiert werden, darüber hinaus gebe es zahlreiche externe Projekte in diesen Ländern, die wiederum im Themenpark ausgestellt seien. "Bei den externen Projekten findet dann in gewisser Weise der Realitäts-Check statt."

Nein, Roth scheint mit seiner Ausstellung rundum zufrieden. Sie sei zwar "nicht blattvergoldet, sondern aus Pappmaché", vieles hätte man mit mehr Geld auch intensiver darstellen können. Mit im Schnitt 3 000 DM Kosten pro Quadratmeter sei sie aber immerhin eine der günstigsten Ausstellungen, die es in Deutschland bislang gegeben hat. Üblich seien Kosten zwischen 5 000 und 10 000 DM pro Quadratmeter.

Wolle man den Themenpark von A bis Z besichtigen, brauche man dafür etwa zwei Tage, schätzt Roth. Sinnvoller sei es jedoch, sich Aspekte herauszugreifen. Und dann hofft er, dass auch die letzten kritischen Stimmen verstummen. "Ich ärgere mich, wenn beispielsweise die Landesbischöfin sagt, man müsse mehr an die Inhalte denken, und dabei hat sie die Ausstellung bisher trotz Einladung nicht gesehen."

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