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17.01.2003

15:30 Uhr

"Wir sind eine Spaßgesellschaft"

Sammer beklagt zu viel Harmonie beim BVB

Hehre Ziele, mäßige Form - im Trainingslager von Borussia Dortmund macht sich einmal mehr Unzufriedenheit breit. Wie in den Vorjahren bewegt sich der Tabellenzweite in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde auf bedenklichem Niveau.

Matthias Sammer mischt seine Mannschaft wieder einmal auf. Foto: dpa

Matthias Sammer mischt seine Mannschaft wieder einmal auf. Foto: dpa

HB/dpa JEREZ. Nach den mäßigen Auftritten in den Testspielen unter andalusischer Sonne in Jerez gegen den Zweitligisten LR Ahlen und den drittklassigen CF Cadiz (2:0) war die Geduld von Matthias Sammer aufgebraucht. "Wir sind eine Spaßgesellschaft und zerfließen vor Harmonie. Ich erkenne keine Entwicklung", schimpfte der Trainer vor der Heimreise an diesem Wochenende - und nahm sich seine Profis zur Brust.

Der Weckruf zur rechten Zeit soll auf die bevorstehende Aufholjagd in der Liga einstimmen. Bei sechs Punkten Rückstand auf den führenden FC Bayern kann sich der Titelverteidiger nicht mehr viele Ausrutscher erlauben und muss schon zum Start bei Hertha BSC topfit sein. Um die in der Hinrunde offenkundigen spielerischen Mängel abzubauen, legte Sammer sein Hauptaugenmerk zuletzt auf Trainingsarbeit mit Ball. Gefruchtet hat diese Maßnahme bisher wenig: "Mir ist das zu viel Business as usual", monierte Sportmanager Michael Zorc, "schließlich haben wir uns mit der Titelverteidigung und dem Viertelfinale der Champions League eine Menge vorgenommen. Da erwarte ich mehr."

Zu allem Überfluss sorgt auch noch Tomas Rosicky für Irritationen. Seine im Trainingslager wiederholte Äußerungen über einen Flirt mit dem FC Barcelona nährten die Gerüchte, dass es den Regisseur zum spanischen Renommierclub zieht. Verstimmt erteilte Zorc dem Tschechen einen Rüffel und gab danach Entwarnung: "Ich bin mir nach unserem Gespräch sicher, dass er uns noch lange Zeit erhalten bleibt."

Bei allen Unzulängigkeiten und unliebsamen Gerüchten gibt es auch Grund zur Zuversicht. Vor allem die Leistungskurve von Problemfall Marcio Amoroso zeigt deutlich nach oben. Nach dem von Sammer ausgesprochenen Hausverbot für dessen medizinischen Betreuer Baldo fügt sich der Brasilianer klaglos den Trainingsanweisungen. "Meine körperlichen Probleme haben mich geärgert. Nun aber bin ich fit für die Rückrunde", meinte der Brasilianer. Sammer sieht seinen Torjäger nach monatelangen Problemen auf dem richtigen Weg: "Auf diesem physischen Status können wir aufbauen. Ich bin doch schon froh, dass er nicht mehr sagt, die harten Böden sind an allem schuld."

Und noch ein anderer Herzenswunsch des Trainers ging in Erfüllung. Nach einvernehmlichen Gesprächen hat der nach wie vor unverzichtbare Routinier Stefan Reuter in Jerez seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängert. Dass der 36-Jährige seine Karriere trotz deutlicher Einkommens-Einbußen fortsetzt, unterstreicht laut Zorc die Vorbildfunktion des einflussreichen Kapitäns: "Wir brauchen Stefans sportlichen und integrativen Fähigkeiten."

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