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25.01.2002

06:00 Uhr

"Wir sollten Erforschung von adulten Zellen fördern"

Contra: Import embryonaler Stammzellen

VonHUBERT HÜPPE

Der Import führe zur massenweisen Tötung weiterer Embryonen, befürchtet Hubert Hüppe, CDU, stv. Vorsitzender der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin".

Verfolgt man die aufgeregte Diskussion der letzten Monate um den Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland, so kann man den Eindruck gewinnen, es gäbe keine wichtigeren Forschungsvorhaben als die an ebenjenen embryonalen Stammzellen.

Auslöser der Debatte ist die Absicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), ein entsprechendes Projekt von Bonner Wissenschaftlern mit einem finanziellen Aufwand von gerade mal 200 000 Mark zu fördern. Dennoch wird von interessierter Seite so getan, als stünde durch den Verzicht auf diesen relativ kleinen Forschungsbereich der gesamte Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland auf dem Spiel.

Im Mai hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft Empfehlungen veröffentlicht und die Arbeit mit embryonalen Stammzelllinien ausdrücklich befürwortet. Dies kam überraschend, hieß es doch gerade mal zwei Jahre zuvor, dass eine solche Forderung nicht notwendig sei, weil man lieber mit den so genannten adulten Stammzellen, für die keine Tötung menschlichen Lebens notwendig ist, arbeiten wolle.

Dass dieser Beschluss heute nicht mehr gilt, ist umso erstaunlicher, als wir seitdem große Erfolge mit den Stammzellen von Erwachsenen international und auch in Deutschland zu verzeichnen haben. Sogar Erfolg versprechende klinische Versuche wurden inzwischen vorgenommen, so dass sogar manche jetzt erkrankte Patienten auf Therapieanwendungen hoffen können.

Viele Forscher, die sich um diesen ethisch unbedenklichen Bereich verdient machen, beklagen zu Recht, dass ihre Arbeit nicht die entsprechende Aufmerksamkeit und Unterstützung von Öffentlichkeit und Politik erhält. Sie sagen auch vielfach, dass die Arbeit mit embryonalen Stammzellen nicht notwendig sei, auch nicht, wie häufig behauptet, um die adulten Stammzellen besser zu verstehen.

Reißerische Erfolgs- und Heilungsversprechen

Erschreckend sind die zum Teil reißerischen Erfolgs- und Heilungsversprechen, die in manchen Medien mit der Forschung an embryonalen Stammzellen verbunden werden. So wird der Eindruck vermittelt, dass schon morgen Gewebe und sogar komplexe transplantierbare Organe aus Embryonen gewonnen und so viele Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Diabetes geheilt werden könnten.

Zu solchen geradezu utopischen Hoffnungen gibt es allerdings keinerlei Anlass. Und selbst wenn es überhaupt je möglich ist, hier Fortschritte in der Grundlagenforschung zu erzielen, wird es noch viele Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis eine klinische Anwendung erfolgen kann. Diese dürfte auch nur dann möglich erscheinen, wenn man dazu auch das Klonen von menschlichen Embryonen zulässt, um Abstoßungsreaktionen des ansonsten fremden Gewebes zu vermeiden. Wer also heute Ja sagt zum Import von embryonalen Stammzellen, der muss morgen auch Ja sagen zum Klonen.

Deswegen hat auch eine große Mehrheit der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" in ihrem Votum den Import von embryonalen Stammzellen abgelehnt. Begründet wurde dieses Votum auch damit, dass die Alternativen, zum Beispiel die Arbeit mit embryonalen Stammzellen von Primaten, bisher in Deutschland bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind.

Angesichts der Tatsache, dass der Import von embryonalen Stammzellen im Nachhinein die Tötung menschlichen Lebens zur Gewinnung dieser Zellen legitimiert und logischerweise, wie von der DFG schon gefordert, die massenweise Tötung von weiteren Embryonen nach sich zieht, sollten wir den Import verhindern und endlich die Forschung mit adulten Stammzellen massiv fördern.

Hubert Hüppe, CDU, ist stv. Vorsitzender der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin".

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