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26.03.2003

15:01 Uhr

„Wir werden nicht jammern“

Völlers Startelf und Taktik geplatzt

Der Ausfall von Christoph Metzelder hat über Nacht das personelle und taktische Konzept von Rudi Völler über den Haufen geworfen, aber den DFB-Teamchef nicht in Hektik versetzt. "Wir werden etwas zusammen basteln müssen, aber wir werden nicht jammern, sondern eine schlagkräftige Mannschaft stellen", erklärte Völler drei Tage vor dem Ernstfall am Samstag (19.00 Uhr/ZDF) in Nürnberg gegen Litauen.

Rudi Völler muss umdenken. Foto: dpa

Rudi Völler muss umdenken. Foto: dpa

Metzelder fällt aus - Frings: Zweites Färöer darf nicht passieren

HB/dpa HERZOGENAURACH. Unabhängig von der Aufstellung weiß auch die Mannschaft, dass im dritten EM-Qualifikationsspiel allein drei Punkte wie beim enttäuschenden 2:1-Sieg gegen den Fußball-Zwerg Färöer dieses Mal im ausverkauften Frankenstadion nicht genügen. "Wir müssen den Zuschauern ein gutes Spiel bieten. Eine Partie wie gegen die Färöer darf uns nicht wieder passieren", sagte Torsten Frings, dem als designierten Vertreter des verletzten Spielmachers Michael Ballack eine Schlüsselrolle in der deutschen Elf zukommt.

Angesichts der sich am Mittwoch überschlagenden Ereignisse in der Bundesliga mit der Trainerentlassung in Schalke und dem sich anbahnenden Wechsel von U 21-Nationaltrainer Jürgen Kohler vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Sportdirektor zu Bayer 04 Leverkusen sorgte sich Völler am wichtigsten Trainingstag mit zwei Übungseinheiten um die Konzentration seiner Spieler. "Unser Blick geht nur auf Litauen. Alles andere, was sich in Schalke oder Leverkusen tut, gehört nicht hierher", mahnte Völler.

Den Teamchef selbst brachte die Personalie Metzelder ins Grübeln. Über Nacht war endgültig klar geworden, dass nach der Abreise von Jens Jeremies (Kniebeschwerden) auch der Dortmunder Abwehrspieler wegen einer Achillessehnen-Reizung nicht spielen kann. "Wie lange Christoph ausfällt, steht in den Sternen", sagte der Teamchef und ließ damit durchblicken, dass die Verletzung offenbar schwerer als vermutet ist. Mit der Nachnominierung des Stuttgarter Neulings Andreas Hinkel, der am Mittwoch 21 Jahre alt wurde, war die zahlenmäßige Lücke im 18-köpfigen Kader schnell geschlossen, aber nicht die Vakanz in der ursprünglich vorgesehenen Abwehrformation. "Es war geplant, mit Metzelder und Wörns in der Innenverteidigung zu spielen", verriet der Teamchef: "Jetzt werden wir einiges verschieben müssen."

Völler tendiert nun sogar zu einem Systemwechsel. Statt der Viererkette dürfte wie beim 2:0-Hinspielsieg gegen Litauen in der Abwehr eine Dreierkette mit dem Leverkusener Carsten Ramelow als Organisator zum Zuge kommen. Neben dem gesetzten Christian Wörns könnte plötzlich Marko Rehmer in der Startelf auftauchen, obwohl der 30-Jährige zuletzt bei Hertha BSC nur auf der Bank saß. "Marko brennt, er will beweisen, dass er noch nicht abgeschrieben ist", meinte Völler. Ramelow zerstreute am Mittwoch ebenso wie der als Kunstschütze glänzende Bernd Schneider im Übungsspiel die Zweifel, dass die prekäre Situation in Leverkusen sich negativ auf die Nationalmannschaft auswirken könnte. "Warum sollte ich mich verunsichert fühlen? Leverkusen ist diese Woche ad acta gelegt. Jetzt geht es um eine andere Aufgabe und nur ein Ziel: Drei Punkte mit der Nationalmannschaft", entgegnete Schneider möglichen Skeptikern.

Der 29-Jährige hat im Frankenstadion die Aufgabe, im offensiven Mittelfeld gemeinsam mit Frings das Sturmduo Miroslav Klose und Fredi Bobic mit brauchbaren Pässen und Flanken zu füttern. Der spätestens seit der Weltmeisterschaft vom "Lückenbüßer zum Leistungsträger" (Völler) aufgestiegene Frings wehrte sich allerdings dagegen, als Ballack-Vertreter betrachtet zu werden. "Ich bin ein ganz anderer Spielertyp als Michael. Ich werde niemals so torgefährlich sein wie er. Ich komme über den Zweikampf", betonte der 26-jährige. Auch wenn Völler noch nicht mit ihm über seine Rolle gesprochen habe, brennt der in der Nationalelf in der Regel auf der rechten Seite aufgebotene Ex-Bremer auf eine Nominierung in der Ballack-Rolle: "Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne zentral spielen möchte", sagte Frings.

Auch auf der Position des Ersatztorhüters könnte es bis zum Spieltag noch eine Veränderung geben. Jens Lehmann konnte auch am zweiten Tag der Vorbereitung wegen anhaltender Oberschenkel-Probleme nicht trainieren. Kurzfristig sprang U 21-Torhüter Tim Wiese vom 1. FC Kaiserslautern als Trainingspartner von Oliver Kahn ein, aber auch in dieser Personalfrage blieb Völler noch gelassen. "Jens Lehmann wird aller Voraussicht nach auf der Bank sitzen können."

Mögliche Aufstellung: Kahn - Rehmer, Ramelow, Wörns - Friedrich, Schneider, Hamann, Frings, Rau - Klose, Bobic

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