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10.01.2003

06:55 Uhr

"Wir wollen keine Atomwaffen herstellen"

Atomwaffensperrvertrag: Nordkorea steigt aus

Nordkorea hat sich mit sofortiger Wirkung aus dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) zurückgezogen, der die Verbreitung von Atomwaffen verbietet. Das kommunistische Land habe jedoch nicht vor, Atomwaffen herzustellen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag.

Reuters SEOUL. Die Regierung weise zudem Forderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zurück, wieder Kontrolleure ins Land zu lassen. In der Meldungen wurden Bedingungen für eine "getrennte Überprüfung" von Nordkoreas Atomprogramm angesprochen. Im US-Bundesstaat New Mexico fanden Gespräche zwischen Vertretern der USA und Nordkoreas statt.

"Der Rückzug aus dem NPT ist eine legitime Maßnahme zur Selbstverteidigung gegen die Schritte der USA, Nordkorea zu unterdrücken und das unzumutbare Verhalten der IAEA, die den USA folgt", meldete KCNA. "Sollten die USA ihre feindliche Politik der Unterdrückung Nordkoreas aufgeben und die atomare Bedrohung Nordkoreas aufgeben, wird Nordkorea vielleicht durch eine getrennte Überprüfung zwischen Nordkorea und den USA beweisen, dass es keine Atomwaffen herstellt." Die atomaren Bestrebungen des Landes gälten ausschließlich friedlichen Zwecken wie der Stromerzeugung."

Der Atomwaffensperrvertrag soll die Verbreitung von Atomwaffen, ihre Beschaffung oder ihre Herstellung durch Staaten zu verhindern, die bislang nicht über derartige Waffen verfügen. Nordkorea hatte entgegen einem Vertrag von 1994 vor einigen Tagen damit begonnen, ein eingemottetes Atomkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Es wird befürchtet, dass in der Anlage waffentaugliches Plutonium hergestellt werden kann.

Frankreich: Sicherheitsrat muss Stellung nehmen

Frankreich forderte eine Reaktion der UNO zu der Ankündigung. "Der UNO-Sicherheitsrat wird sich mit dieser neuen Situation beschäftigen müssen", sagte Außenminister Dominique de Villepin am Freitag in Schanghai. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi forderte Nordkorea auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Auch Russland zeigte sich besorgt. Südkoreas Regierung rief am Morgen den Nationalen Sicherheitrat zusammen. Australien kündigte an, es werde in der kommende Woche eine Delegation nach Pjöngjang schicken.

In Japan und Südkorea gaben die Aktienmärkte als Reaktion auf den Rückzug nach. Der Yen fiel zum Euro auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren, der Won fiel gegenüber dem Dollar.

Vertrag bereits 1993 einmal gekündigt

Nordkorea hatte bereits einmal im März 1993 einen Rückzug aus dem Vertrag angekündigt, diesen jedoch später zurückgenommen. Das Land verpflichtete sich 1994, sein Atomprogramm einzumotten. Im Gegenzug sicherten mehrere Staaten zu, dem Land Heizöl zu liefern und Atomreaktoren zu bauen, die nicht zur Herstellung von Atomwaffen benutzt werden können. Nordkorea hatte nach US-Angaben jedoch im vergangenen Jahr eingestanden, sein Atomprogramm heimlich fortgesetzt zu haben. Die USA und die EU stellten daraufhin ihre Öl-Lieferungen ein, worauf Nordkorea mit der Reaktivierung eines stillgelegten Atomreaktors begann.

Am Donnerstagabend traf sich der ehemalige UNO-Botschafter der USA und jetzige Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, mit zwei Diplomaten aus Nordkorea. Aus US-Kreisen verlautete, Nordkorea habe um das Treffen gebeten. Ein Sprecher Richardsons bezeichnete das zweistündige Gespräch als "offen und herzlich", nannte jedoch keine Einzelheiten. Ein weiteres Treffen sei für Freitag geplant. Der Demokrat Richardson hatte in den 90er Jahren zwischen beiden Staaten vermittelt. Die USA und Nordkorea unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

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