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16.04.2003

00:36 Uhr

Wirbel an der Unternehmensspitze

Nordex steht vor stürmischen Zeiten

VonLutz Beukert

Beim Hersteller von Windkrafturbinen herrscht zurzeit Flaute im operativen Geschäft.

HAMBURG. Man mag meinen, dass eine kräftige Brise der natürliche Verbündete eines Herstellers von Windkraftanlagen ist. Doch sollte diese tunlichst dort wehen, wo Windparks geplant sind - und nicht etwa im Hause des Unternehmens selbst.

Doch genau das passiert derzeit bei der Nordex AG. Hier herrscht Flaute beim Geschäft mit den Windrädern und genau deshalb weht derzeit ein eisiger Wind im Stammsitz des Unternehmens nahe Hamburg. Weggeweht hat es bereits Vorstandschef Dietmar Kestner, der Mitte Februar beurlaubt wurde und das Unternehmen mittlerweile verlassen hat. Mit ihm flog auch Einkaufschef Wilhelm Hecking aus dem Amt. Vom Winde verweht sind schließlich auch die Ertragsprognosen des bis Ende September laufende Geschäftsjahres. Sie sahen einen Umsatz von 520 Mill. Euro und ein Ebit von 23,4 Mill. Euro vor.

Maßgeblichen Anteil daran, dass das Management die Ebit-Erwartung auf magere 3 Mill. Euro herunterschrauben musste, hatte wiederum die Brise draußen vor der Tür. Ein solider Herbststurm fegte eine komplette, im Bau befindliche Anlage in Norwegen vom Mast und bescherte den Norderstedtern 5 Mill. Euro Miese. Dazu kamen noch Verluste bei kleineren Windparks und aufgeblähte Unternehmensstrukturen.

Die Augen waren offenbar größer als der Mund. Will heißen: Das Nordex-Management hatte die Realitäten falsch eingeschätzt. Ein Crash-Programm mit Arbeitsplatzabbau und Kostensenkungen von 20 %, das Hilfe bringen soll, hat Analysten bislang wenig überzeugt. Die Stimmung völlig verdorben haben den Bankexperten die Halbjahreszahlen. Danach ist der Auftragseingang, der im vergleichbaren Vorjahreszeitraum bei 180 Mill. Euro lag, auf 70 Mill. Euro zurückgegangen.

Während Analysten aufgrund der Fundamentaldaten die Daumen nach unten neigen, macht die Nordex-Aktie (Ausgabekurs am 2. April 2001: 9 Euro) rasante Sprünge. Nach einem drastischen Kursrutsch im vergangenen Jahr erklomm die Notierung in der vergangenen Wochen die Marke von 1,15 Euro.

Übernahmegerüchte machen nun die Runde. Siemens und General Electric sind dabei ebenso im Gespräch wie der spanische Konkurrent Gamesa und der deutsche Wettbewerber Repower. "An einzelnen Tagen werden an der Börse 5 bis 10 % des Free Floats von Nordex bewegt," wundert sich ein Analyst einer Großbank. Doch da sich bislang niemand als Aufkäufer zu erkennen gegeben hat, dürfte es keinen strategischen Investor geben, so die einhellige Einschätzung aus Bankenkreisen. Alles nur Spekulation. Dafür spricht, dass seit mehreren Tagen der Nordex-Kurs wieder sinkt. Mit 1 Euro nähert er sie sich dem Wert, den WestLB Panmure derzeit als fair angibt.

Auch die Ernennung von Stefan Klebert zum neuen Vorstandschef hellt die schlechte Stimmung nicht auf. Zu den internen Problemen des Unternehmens kommt hinzu, dass der deutsche Markt, der 63 % des Nordex-Geschäftes trägt, im vergangenen Jahr den Höhepunkt beim Neubau von Windparks überschritten hat. Auch in Europa sieht es nicht viel besser aus. Genehmigungen für neue Parks werden nur zögerlich erteilt. Und da sich die dänischen Weltmarktführer Vestas und AN Bonus angesichts eines schwachen US-Geschäfts stärker auf Europa konzentrieren dürften, werden Preisdruck und Überkapazitäten umso so mehr wachsen. Zu guter Letzt fragt so mancher Analyst, wer denn Nordex noch einen Großauftrag gibt, wenn man sich mit einem Abwicklungsrisiko konfrontiert sieht?

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