Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2003

12:53 Uhr

Wirrwar um neuen Trainer

Marx Brothers beim FC Barcelona

Mit einer Serie von Peinlichkeiten ist die "Ära" des umstrittenen Fußball-Trainers Louis van Gaal beim FC Barcelona nach nur acht Monaten zu Ende gegangen. Der krisengeschüttelte Traditionsclub und der Coach einigten sich am Dienstag auf eine Formel für die Entlassung des unbeliebten Niederländers.

Louis van Gaals Zeit beim FC Barcelona ist abgelaufen. Foto: dpa

Louis van Gaals Zeit beim FC Barcelona ist abgelaufen. Foto: dpa

HB/dpa BARCELONA. Wohl noch nie hat ein Fußballclub sich mit dem Hinauswurf seines Trainers so schwer getan wie der FC Barcelona mit der Entlassung von Louis van Gaal. Nach wochenlangen Fan-Protesten rang der krisengeschüttelte Traditionsclub sich dazu durch, dem unbeliebten Niederländer den Stuhl vor die Tür zu setzen. Damit war die Entlassung aber noch nicht perfekt. Es bedurfte noch schwierigen Verhandlungen über die Abfindung. Am Dienstag kam der - für die "BarÇa"-Fans - erlösende Augenblick. Van Gaal gab mit Tränen in den Augen bekannt: "Wir haben beschlossen, dass es besser ist, wenn sich unsere Wege trennen."

Damit hatte der Wirrwarr beim katalanischen Renommierclub aber noch kein Ende. Die Verpflichtung eines neuen Trainers scheint ebenso chaotisch zu verlaufen wie der Hinauswurf des alten. Der Vorstand wollte van Gaals Vorgänger Carles Rexach wieder das Ruder in die Hand geben. Aber Rexach, Ex-Assistent von Johan Cruyff, bat sich Bedenkzeit aus. Für die nächsten Tage leitet nun BarÇas dritter Coach Toño de la Cruz das Training, bis die Trainerfrage geklärt ist.

Dem 51 Jahre alten van Gaal wird der Abschied vom 16-maligen spanischen Meister derweil mit einer Abfindung in Millionenhöhe versüßt. Für die vorzeitige Auflösung des bis 2005 laufenden Vertrags standen ihm sechs Mill. ? zu. Wie viel er davon erhält, darüber wahrte er Stillschweigen.

Die Entlassung des Trainers - in vielen Clubs eine Routine-Übung - geriet bei "BarÇa" zu einer beispiellosen Posse, die den Katalanen Hohn und Spott einbrachte. Nach der jüngsten 0:2-Schlappe bei Celta de Vigo und dem Sturz auf Rang zwölf in der Primera División rang Clubchef Joan Gaspart sich zu einem Trainerwechsel durch. Aber zu einer ordentlichen Entlassung reichte es nicht. Der einst reichste Fußball-Club der Welt steckt mittlerweile in so großen Geldproblemen, dass er die Abfindung nicht zahlen konnte. Er erklärte van Gaal zunächst nur für abgesetzt, aber nicht für gefeuert. "Der totale Wahnsinn!", wunderte sich das Sportblatt "As".

Kommentatoren fühlten sich an einen Klamaukfilm der Marx Brothers erinnert. Als die Entlassung perfekt war, fiel überraschend der Name von Rexach als möglichem Nachfolger. Dies rief neue Proteste hervor. "Rexach - das hat uns gerade noch gefehlt!", warnte das Fachblatt "Sport". "Charly erwies sich erst in der vorigen Saison als nicht geeignet." Rexach war bereits 2001 als "Feuerwehrmann" eingesprungen, als Trainer LlorenÇ Serra Ferrer entlassen wurde. Der "freundliche Charly" hat immerhin einen großen Vorteil: Er steht bereits als Talentsucher auf der Gehaltsliste des Clubs. Seine Verpflichtung bedeutet keine zusätzlichen Ausgaben.

Aber BarÇa wird auch nach dem Trainerwechsel nicht zur Ruhe kommen. Dafür wird schon der Streit um den Posten des Präsidenten sorgen. "Joan Gaspart ist der Hauptschuldige für die Misere", urteilt "Sport". "Er verfolgt keine Linie mehr. Seine Politik ist nur noch Pfuschwerk." Aber der Clubchef gab sich davon ungerührt und betonte: "Ich denke nicht an einen Rücktritt."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×