Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2002

16:33 Uhr

Handelsblatt

Wirtschaft beurteilt Standort Deutschland weniger negativ

VonELGA LEHARI

Kommt der Aufschwung? Und wenn ja, kommt er so rechtzeitig, dass ihn die Regierung für ihren Wahlkampf nutzen kann? Es könnte knapp werden.

DÜSSELDORF. Immerhin bewerten jedoch die Führungskräfte den Standort Deutschland im Januar weniger schlecht als vorher. Nach wie vor überwiegen zwar pessimistische Stimmen, die eine weitere Verschlechterung befürchten. Ihr Anteil ist mit 43 % im Januar aber volle zehn Prozentpunkte niedriger als beim Negativrekord im Dezember. Im Gegenzug ist aber das Lager der Optimisten nicht im gleichen Umfang gewachsen, sondern nur um drei Punkte auf 13 %.

Grafik

Die leichte Verbesserung steht im Einklang mit anderen Stimmungsindikatoren. So schätzen Finanzmarktanalysten, die monatlich vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragt werden, die Konjunkturaussichten für Deutschland seit einigen Monaten günstiger ein. Auch die Erwartungen der gewerblichen Wirtschaft haben sich seit November verbessert, was als Vorbote einer Erholung gewertet wird. Mit einer Aufwärtsentwicklung wird jetzt auch bei der monatlichen Umfrage unter Einkaufsmanagern der Industrie gerechnet.

Grund für den Stimmungsumschwung bei den Führungskräften dürfte vor allem die vermutete Erholung der US-Konjunktur sein, was exportorientierte Unternehmen freundlicher in die Zukunft blicken lässt. Dies lässt sich an der Standorteinschätzung der Großunternehmen ablesen, die wesentlich günstiger ausfällt als die der kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Zum anderen hat die Union im Januar mit CSU-Chef Edmund Stoiber gerade den Politiker zum Kanzlerkandidaten gekürt, von dem sich die Führungskräfte mehr Wirtschaftskompetenz versprechen.

Der Business Monitor offenbart indirekt aber auch Faktoren, die das Standortklima belasten. Dass mehr als jedes zweite Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche eine Verschlechterung und nicht einmal mehr jedes zehnte eine Verbesserung erwartet, dürfte auf die hohe Lohnforderung der IG Metall zurückzuführen sein. Dafür spricht auch, dass sich die Beurteilung der allgemeinen Standortbedingungen, zu denen neben der Wirtschafts- und Steuerpolitik auch die Tarifpolitik gehört, im Metall- und Elektrobereich im Januar wesentlich weniger stark verbessert hat als im übrigen verarbeitenden Gewerbe.

Wer erwartet, dass sich das insgesamt nicht mehr ganz so negative Standortklima bereits in Investitions- und Personalentscheidungen niederschlägt, wird enttäuscht. Hier kam es im Januar sogar zu einer leichten Verschlechterung. Zwar wollen gleich viele Unternehmen wie im Dezember (36 %) in den nächsten zwölf Monaten ihre Investitionsausgaben verringern. Aber mit 17 % ist der Anteil der Unternehmen, die eine Erhöhung der Investitionen planen, um drei Prozentpunkte gesunken.

Ähnlich sieht es bei den Beschäftigungsplänen aus. Unverändert 41 % der befragten Top-Manager gaben an, ihr Unternehmen beabsichtige, die Mitarbeiterzahl in den nächsten zwölf Monaten zu verringern, nur noch 15 % nach 17 % berichteten über Pläne zu Neueinstellungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×