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14.01.2004

15:16 Uhr

Wirtschaftliche Effekte gibt es kaum

Außerirdische zu Besuch in der Wüste

VonFriedhardn Teuffel

Wochenlang zieht die Rallye Dakar durch den Nordwesten Afrikas - der Bevölkerung bleibt nicht viel mehr als Staub.

Außer Staub nicht viel gewesen für die Region: Jutta Kleinschmidt in ihrem VW Touareg auf der 6. Etappe der Rallye Dakar in Marokko. Foto: dpa

Außer Staub nicht viel gewesen für die Region: Jutta Kleinschmidt in ihrem VW Touareg auf der 6. Etappe der Rallye Dakar in Marokko. Foto: dpa

NOUKCHOTT. Jeden Freitag gibt es am Strand von Nouakchott ein Motorradrennen. Zehn junge Fahrer rasen hinter den Dünen um die Wette, und dreihundert Menschen schauen zu. Einmal im Jahr kommen ihnen große Vorbilder ganz nahe. Am Freitag macht die Rallye Dakar Station in der mauretanischen Hauptstadt. Aber während Straßenfußballer in Brasilien noch davon träumen können, irgendwann einmal bei der Weltmeisterschaft zu spielen, haben die Strandfahrer keine Chance, jemals bei der Rallye dabei zu sein. Sie brauchen nicht nur Talent, sondern vor allem sehr viel Geld.

Die Rallye sei eigentlich nur eine Durchgangsgeschichte, erzählt daher Ingolf Vereno. Er leitet in Nouakchott das Büro der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, die die Entwicklungspolitik der Bundesregierung umsetzt. Dreißig Kilometer vor der mauretanischen Hauptstadt schlägt der Rallye-Tross sein Camp auf, die Fahrer werden dann in das beste Hotel der Stadt gefahren, und am nächsten Tag ziehen sie wieder weiter. Der Mythos der Rallye liegt wohl auch in ihren Widersprüchen begründet. Dass die Fahrer mit ihrer komplexen Technik durch arme Wüstenstaaten rasen. Dass zwei unterschiedliche Begriffe von Zeit aufeinander prallen. Derjenige der Rennfahrer, denen es auf jede Minute ankommt und derjenige der Bevölkerung, die am Telefon keine Stundenangaben machen, sondern nur von Vormittag sprechen, von Nachmittag und vom Abend.

So scheint es, als schlängele sich die Rallye Dakar jedes Jahr wie ein großer außerirdischer Wurm durch den Nordwesten Afrikas. Die Bevölkerung sei durchaus interessiert, nur bekomme sie nichts mit von der Rallye, berichtet Vereno. Obwohl Mauretanien den größten Streckenanteil hat. Die Fahrercamps seien für die Bevölkerung gesperrt, und der einzige staatliche Fernsehkanal in Mauretanien sende fast den ganzen Tag Interviews mit Politikern.

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