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15.01.2001

21:42 Uhr

Wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf vor allem bei der Deregulierung des Arbeitsmarktes

BGA-Präsident Börner: Keine Panik für Exporte wegen stärkerem Euro

Reuters BERLIN. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) rechnet mit keiner nachhaltigen Beeinträchtigung der deutschen Exporte durch den erstarkten Euro. "Es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik", sagte der neue BGA-Präsident Anton Börner am Montag der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der Amtsübergabe seines Vorgängers Michael Fuchs an ihn. Der gemessen am Ende des Vorjahres deutlich stärkere Euro werde zwar vorübergehend die Exporte dämpfen, er werde die Wachstumsentwicklung aber nicht grundlegend in Gefahr bringen. Wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf besteht nach Börners Worten derzeit vor allem bei der Deregulierung des Arbeitsmarktes in Deutschland.



Stabile Währung sehr positiv zu bewerten

Gelassen bewertet der neue BGA-Präsident das Erstarken des Euro, von dessen Schwäche im vergangenen Jahr die deutsche Exportwirtschaft und letztlich auch das deutsche Wachstum insgesamt profitiert hatten. Gravierender auf das Wachstum könnte sich dagegen die Wachstumsabschwächung in den USA auswirken. Grundsätzlich erwartet Börner, wie er sagte, dass der deutsche Außenhandel in 2001 nicht mehr so stark wie im Vorjahr wachsen werde. Er ergänzte: "Ich halte nichts davon, dass Wachstum über Abwertung zu fördern". Nach seiner Auffassung sei eine stabile Währung erheblich positiver zu bewerten.

Börner nannte es eine seiner wichtigsten Aufgaben, in der Politik zu verankern, dass nur durch ein stärkeres Wachstum Ziele wie Vollbeschäftigung und Finanzierung des Sozialsystems erreicht werden könnten. Hier gebe es ein grundsätzliches Missverhältnis zwischen Deutschland und den USA. Während im Euroraum eine Wachstumsrate von drei Prozent bereits gefeiert werde, spreche man bei der gleichen Rate in den USA von "soft landing", einer sanften Landung nach einer Wachstumsphase. "Der Politik muss klar sein, dass wir stärkere Wachstumsraten brauchen", sagte Börner.

Die wichtigste wirtschaftspolitische Aufgabe sieht Börner derzeit nach eigenen Worten in der Deregulierung des Arbeitsmarktes. "Das deutsche und das europäische Arbeitsrecht ist ein zu starres Korsett und behindert die Wirtschaft", sagte der neue BGA-Präsident. Die Internationalisierung der Wirtschaft erfordere aber flexibles Handeln. Börner zeigte sich überzeugt, dass ungeachtet eines zurückhaltenden politischen Kurses in Deutschland die Entwicklung der Märkte eine solche Deregulierung erzwingen werden. Gegen die Märkte lasse sich langfristig keine Politik machen.

Der bisherige BGA-Präsident Michael Fuchs übergab am Montag abend in Berlin nach neun Jahren sein Amt an Börner. Bundesarbeitsminister Walter Riester bot dem neuen BGA-Chef einen offenen und konstruktiven Dialog an.

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