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29.01.2001

07:50 Uhr

Wochenausblick

Dollar im Bann der US-Zinsentscheidung

Am Mittwoch steht erneut eine Zinsentscheidung der US-Notenbank an. Als sicher gilt an den Märkten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte.

vwd FRANKFURT. Ohne klare Trendaussagen zur Dollar/Euro-Entwicklung in der neuen Woche warten befragte Analysten auf. Grund dafür ist die am Mittwoch anstehende Zins-Entscheidung der US-Notenbank. Als sicher gilt an den Märkten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Die Frage lautet, ob auch ein halber Prozentpunkt drin ist, wie von vielen Marktteilnehmern vorausgesagt. Dorothea Huttanus, Devisenanalystin bei der DG Bank, sieht in dieser vermeintlichen Sicherheit ein gewisses Überraschungspotenzial. Sollte die Fed lediglich um 25 Punkte senken, könnte dies den Dollar auf kurze Sicht beflügeln.

Dieses Szenario sei nach der Rede von Fed-Chairman Alan Greenspan vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats am Donnerstag noch wahrscheinlicher geworden. Sie habe die Aussagen Greenspans dahingehend interpretiert, dass nun zunächst eine viertelprozentige Lockerung ansteht, mit der Option auf einen ähnlichen Schritt im Februar oder März, so Huttanus. In der zweiten Wochenhälfte sollten einige wichtige US-Konjunkturdaten (BIP, Einkaufsmanagerindex, Arbeitsmarktzahlen) die zurückgehende Konjunkturdynamik bestätigen und die US-Valuta damit wieder unter Druck setzen.

Die Analystin erwartet deshalb zunächst eine Fortsetzung der Abwärtskorrektur des Euro, die bis zur Unterstützung bei 0,9030 $, der 200-Tage-Linie, gehen könnte. Das darauffolgende Konsolidierungspotential nach oben werde durch den Widerstand bei 0,9450 $ begrenzt. Im Vergleich zum Yen dürfte der Aufwärtstrend des Dollar angesichts politischer Instabilität und einer unklaren Geldpolitik in Japan intakt bleiben. Damit dürfte sich der Dollar zwischen der Unterstützungsmarke bei 115,70 Yen und dem bisherigen Jahreshoch bei 119,90 Yen bewegen.

In der Euro/Yen-Relation sei wie bei Euro/Dollar der mittelfristige Aufwärtstrend der Einheitswährung seit November beendet. Dies birgt laut Huttanus zusätzliches Abwärtspotential bis 105,20 Yen, während nach oben bei 110,00 Yen "der Deckel draufliegt".

Mit einer turbulenten Woche für die Devisenmärkte angesichts neuer US-Wirtschaftsdaten und der anstehenden US-Zinsentscheidung rechnet die Analystin Alexandra Bechtel von der Commerzbank. Weiteren Aufschluss darüber, ob die Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte gelockert werden, könnte die für Dienstag erwartete konjunkturelle Einschätzung von Greenspan geben. Nach seiner Rede vom Donnerstag geht für Bechtel die Tendenz eher zu 50 Basispunkten hin. Deshalb sei auch mit schwachen Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal zu rechnen. Haupteinflussfaktor für die künftige konjunkturelle Lage sollte die Konsumnachfrage sein.

Das Euro-Dollar-Verhältnis in den nächsten Tagen werde vor allem davon abhängen, ob die Befürchtungen über eine US-Rezession mit Bekanntgabe der aktuellen Daten neue Nahrung erhalten. Falls ja, sei ein Dollar-Rutsch sehr wahrscheinlich. Dem könnte der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) allerdings einen Riegel vorschieben und die Zinsen deutlich senken "mit positiven Impulsen für den Aktienmarkt", so Bechtel. Dann stünde einem weiteren Dollar-Aufschwung über den "Umweg" eines anziehenden Aktienmarktes kaum etwas im Wege; das allerdings nur, wenn Wall Street dire Verlangsamung der Wirtschaft als Delle und nicht Zeichen für eine harte Landung ansieht.

Bechtel erwartet wegen der Ungewißheit über die Marktreaktionen in der neuen Woche eine relativ große Range zwischen 0,8895 $ und 0,9400 $. Ähnlich groß fällt auch ihr Kursrahmen für die an Euro/Dollar gekoppelte Euro/Yen-Parität aus, der von 103,45 Yen bis 112,33 Yen reicht. Gegenüber dem Dollar dürfte die japanische Währung wegen der Sorgen um den dortigen Bankensektor und die Wirtschaft weiter nachgeben und sich zwischen 116,30 JPY und 119,50 Yen bewegen.

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