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06.02.2001

13:41 Uhr

jmü TEL AVIV. So plump wie FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle, der sich mit seinem Besuch im Big-Brother-Container dem Zeitgeist anbiederte, kommt Ariel Scharon mit seinem neuen Image daher: Als sanftmütiger, über wogende Kornfelder schreitender Großvater soll, so die Strategie seiner Berater, der Likud-Chef die politische Mitte besänftigen. Doch die Israelis wissen es besser - der 72-Jährige lebt von der Konfrontation.

Vielen konservativen Israelis gilt der Besitzer einer Schafsfarm in der Negev-Wüste als Kriegsheld. Schon Anfang der 40-er Jahre kämpfte er gegen die britische Mandatsmacht. Im Jom-Kippur- Krieg 1973 durchbrach er dann mit seinen Truppen die ägyptischen Angriffslinien im Sinai und wendete das Blatt zu Gunsten Israels. Die Araber hingegen nennen ihn den "Schlächter von Beirut" in Anspielung auf das Massaker an bis zu 2 000 Palästinensern im September 1982. Eine Kommission gab Scharon die Mitverantwortung an den Morden. Er musste 1983 als Verteidigungsminister zurücktreten. Seine Leidenschaft ist es, Fakten zu schaffen. Scharon begründete eine Siedlung nach der anderen in den besetzten Gebieten - sei es als Minister für Landwirtschaft, Industrie und Handel oder Wohnungsbau. Seither gilt er als Mentor der Siedler.

Sein Traum, Ministerpräsident zu werden, schien lange Zeit utopisch, galt er doch wegen seiner politischen Vergangenheit als nicht vermittelbar. Sein politisches Comeback schaffte er, als sein Parteikollege Netanjahu 1999 die Wahlen gegen Barak verlor und niemand an die Spitze der damals kränkelnden Partei wollte. Scharon griff zu.

Der Anhänger eines Groß-Israels, der mit seinem Spaziergang auf dem heiligen Tempelberg die jüngste Welle der Gewalt auslöste, schwor, Palästinenserchef Arafat niemals die Hand zu geben. Vielleicht gibt er sich der Illusion hin, es auch als Premier nicht zu müssen.

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