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30.04.2003

10:36 Uhr

Wolfgang Wolf kommt

1. FC Nürnberg trennt sich von Augenthaler

Den Absturz in die Zweitklassigkeit vor Augen hat der 1. FC Nürnberg die Konsequenzen aus seiner prekären Lage gezogen und Trainer Klaus Augenthaler vier Spieltage vor Saisonende doch noch entlassen. In Wolfgang Wolf präsentierte der "Club" am Mittwoch auch gleich den neuen Mann, der die Franken vor dem drohenden Abstieg aus der Fußball-Bundesliga retten soll.

HB/dpa NÜRNBERG. "Das war die richtige Entscheidung für den Verein. Es geht nicht um mich oder die Fans, es geht nur um den FCN", sagte Präsident Michael A. Roth auf einer Pressekonferenz.

Auf Wolf, der einen auch für die 2. Liga gültigen Vertrag bis Juni 2005 unterschrieb, wartet eine kaum lösbare Aufgabe. Mit 30 Punkten haben die Nürnberger als Tabellenvorletzte vier Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. "Das wird eine große Herausforderung. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, aber es ist nicht unmöglich", sagte Wolf. Der Ex-Profi hatte erst Anfang März beim Liga-Konkurrenten VfL Wolfsburg seinen Stuhl mehr oder weniger freiwillig geräumt. Der 45- Jährige leitete schon am Mittwochmorgen das Training und wird beim Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den TSV 1860 München erstmals auf der Bank sitzen. "Das wird der Gradmesser", sagte Wolf.

Die Trennung von Augenthaler hatte sich nach den zuletzt unzureichenden Leistungen der Nürnberger angebahnt. Ohne Torerfolg in den vergangenen vier Spielen und offenbar auch ohne Konzept taumelten die Franken scheinbar wehrlos dem drohenden sechsten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Besonders der desolate Auftritt beim 0:4 beim Hamburger SV am vergangenen Samstag hatte Augenthalers Position weiter geschwächt. Roth hatte vor der Entscheidung auch noch das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gesucht und offenbar keinen großen Rückhalt bei den Profis für Augenthaler gespürt.

Präsident Roth hatte schon im März eine Ablösung des Weltmeisters von 1990 forciert, doch die Anhänger des Vereins machten dem Vereinschef damals noch einen Strich durch die Rechnung. Lautstark stellten sie sich in einer bislang einmaligen Aktion nach dem 0:3 gegen Hertha BSC am 16. März hinter den Trainer und verhinderten so die Entlassung Augenthalers. Roth wittert hinter der ungewöhnlichen Fan-Botschaft mittlerweile offenbar eine gezielte Aktion. So musste am Mittwoch auch Fan-Koordinator Bernd Brommberger seinen Posten räumen.

Roths damals folgende Ankündigung, notfalls mit Augenthaler auch in die 2. Liga abzusteigen, erwies sich nun allerdings als wertlos. Am Mittwoch protestierte während des Trainings nur eine kleine Fangruppe gegen den Vereinspräsidenten. Sympathiebekundungen für Augenthaler gab es praktisch nicht.

Während Nachfolger Wolf mit der Mannschaft trainierte, verließ der von den zuletzt nervenaufreibenden Wochen sichtlich gezeichnete Augenthaler wortlos das Vereinsgelände. Im März 2000 hatte der frühere Abwehrchef des FC Bayern München den "Club" in der 2. Liga übernommen und ein Jahr später ins Fußball-Oberhaus geführt. Zunächst für seine Einkaufspolitik gelobt, verließ "Auge" aber in dieser Saison das Geschick mit den notgedrungen kostengünstigen Neuzugängen. Seit Anfang des Jahres stecken die mit neun Punkten schlechteste Rückrunden-Mannschaft tief in der Krise und stürzte von dem vermeintlich sicheren 12. auf den 17. Platz ab.

Von der bevorstehenden Demission hatte Manager Edgar Geenen Augenthaler bereits in der Nacht zum Mittwoch per Telefon informiert. Geenen gilt als enger Vertrauter und Fürsprecher des Ex-Trainers und muss nun eventuell selbst um seinen Posten bangen. Da Geenen aber auch Vizepräsident des Vereins ist, dürfte eine Trennung schwieriger sein, als der Abschied von "Auge". Die Beurlaubung des Ex-Profis ist die siebte vorzeitige Trennung von einem Chefcoach in dieser Saison und die 270. Entlassung in der Bundesliga-Geschichte.

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