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24.01.2003

06:00 Uhr

Worauf Anleger achten sollten

Bei Störanfälligkeit nützt der beste Wind nichts

Wer sich an einem Windkraftfonds beteiligt, muss vor allem mit zwei Unbekannten rechnen: dem Wind und der Reparaturanfälligkeit der Windmühlen.

rrl DÜSSELDORF. Den Windmühlen des Fonds Neuendorf/Kakerbeck der von Heinrich Lohmann und Leo Noethlichs gegründeten und geleiteten Umweltkontor Renewable Energy AG (UK) in Erkelenz hat nicht nur der Wind gefehlt.

Noch viel größere Sorgen bereitet den Anlegern die Standfestigkeit ihrer Frisia-Windmühlen. Nicht ohne Grund: Schon in einem Aktionärsbrief der Nevag AG, der Muttergesellschaft der Frisia Windkraftanlagen Produktion GmbH, vom Dezember 2000 wird auf "konstruktive und fertigungstechnische Probleme beim Hauptrahmen der 850er Anlage" hingewiesen.

Gemeint sind jene 850 kW-Windmühlen, die der Fonds besitzt. Eine Materialprüfung am Prototypen und "nachfolgende tief greifende Analysen im Spätsommer" hätten dies ergeben, heißt es in dem Brief weiter, in dem die Nevag ihren Aktionären Umsatzeinbußen bei Frisia ankündigte. Ob Noethlichs davon nichts geahnt hat, als er mit UK Mitte Juli 2000 bei der Nevag einstieg und zeitgleich 27 "850er" Anlagen bei Frisia bestellte? Der Großauftrag des mittelbaren Nevag-Großaktionärs und Nevag-Aufsichtsrats Noethlichs hat Frisia nicht mehr geholfen. Die Firma stellte ein Jahr später Insolvenzantrag.

Die Anlagen wurden im Oktober 2000 von UK an den Fonds, also die Anleger weiterverkauft. Die durch die Insolvenz bedeutungslos gewordene Frisia-Garantie läuft im Februar 2003 aus. Ein inzwischen eingetretener Generatorschaden ist für UK-Anleger-Betreuer Ian-Paul Grimble "nichts Ungewöhnliches". Bezahlt wurde die Reparatur des Schadens aus "knapp 700 000 Euro" Sicherheitseinbehalt vom Kaufpreis.

Die UK gelieferten Windräder gehörten zu einer weniger störanfälligen Weiterentwicklung, sagt Grimble. Aber was geschieht, wenn weitere Schäden den Sicherheitseinbehalt aufgezehrt haben? Vorsorglich hat ein Kommanditist die Verträge zwischen Fonds und UK prüfen lassen. Sein Anwalt Gerhard Zipfel von der Kanzlei Stieve - Neikes in Erkelenz ist der Auffassung, dass UK mit der Errichtung des Windparks ein Bauwerk erstellt hat, für das eine fünfjährige Gewährleistungsfrist besteht. Das gäbe den Anlegern Sicherheit. Grimbles Kommentar: "Wir haben eine andere Auffassung."

Kommt es zu weiteren Schäden, wird es pikant. Dann muss nämlich Margot Noethlichs als Geschäftsführerin der Fondsgesellschaft und Vertreterin der Anlegerinteressen die Gewährleitsungsansprüche gegen ihren Ehemann durchsetzen. Dass es dazu kommen würde, bezweifelt Alexander Krueger, Geschäftsführer der Wiesbadener Vermögensverwaltung Antana GmbH. "Eine konzernfremde Geschäftsführung wäre sofort gegen Umweltkontor vorgegangen", sagt Krueger, der als Ex-Vorstand einer von Lohmann und Noethlichs übernommenen Firma nicht gut auf die beiden zu sprechen ist. Seine Befürchtung: "So lang es keinen Beirat bei diesem Fonds gibt, kann niemand Umweltkontor kontrollieren." Ein Beirat kann aber erst auf einer Gesellschafterversammlung gewählt werden. Die erste für diesen Fonds soll von Umweltkontor - verspätet - für den März 2003 einberufen werden.

Quintessenz für Anleger: Vorsicht, wenn Windradhersteller und Fondsanbieter miteinander wirtschaftlich und/oder personell verflochten sind.

Prüfen Sie Leumund und Bonität des Herstellers, denn gegen insolvente Produzenten lassen sich keine Garantieleistungen durchsetzen.

Fordern Sie eine Liste von Referenzanlagen für den Anlagentyp, den der Fonds anschafft. So verhindern Sie, dass die Erprobung von neuen Typen auf Ihre Kosten geschieht.

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