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29.01.2007

10:28 Uhr

World Economic Forum

Davos – da, wo’s Chaos herrscht

VonRoland Tichy

Mit einem Minimum an Zeit ein Maximum an Kontakten knüpfen: Beim Weltwirtschaftsgipfel müssen Politiker und Konzernbosse ihre Steherqualität beweisen. Sie eilen von einem Empfang zum anderen, essen ein Häppchen nach dem anderen. Ein intimer Einblick in das Leben der Mächtigen.

Treffen, treffen, treffen - der Sinn des Weltwirtschaftsforums. Foto: ap ap

Treffen, treffen, treffen - der Sinn des Weltwirtschaftsforums. Foto: ap

DAVOS. Eigentlich ist Davos ja ein eher beschaulicher Ort - wenn da nicht einmal im Jahr der Riesentross der Weltwirtschaft einfallen würde. 2 400 Unternehmer und Politiker sind diesmal da. Addiert man die Umsätze aller Firmen, die in Davos vertreten sind, dann kommt man auf eine Zahl, die etwa 20 Prozent der gesamten globalen Wirtschaftsleistung entspricht.

Der Ski- und Erholungsort ist dann eine Art Feldlager von Managern, die von einem Treffen zum nächsten eilen, um so Zeit sparend ein Maximum an Kontakten zu erzielen. Davos wird dann zum Ort, wo es eng wird, wo es hektisch zugeht - wo das Chaos herrscht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel beispielsweise empfängt Journalisten im Abkühlraum einer Hotelhalle - auf Steinfliesen und jenen Rattanmöbeln, die sonst mit Badetüchern bedeckt sind. Überhaupt das Belvedere. Eigentlich ist es ein verwohnter Schuppen, der seine besten Tage schon 50 Jahre hinter sich hat. Aber beim Weltwirtschaftsgipfel ist es der Kommandostand im Feldlager. Um 18 Uhr lädt der indische Superkonzern Infosys zum Cocktail. Der letzte Tropfen Champagner fließt pünktlich um 20 Uhr, ab 20.05 Uhr werden Gläser und Teller eingesammelt. Dem Personal bleiben nur zwei Stunden, um eine Disco in denselben Raum einzubauen, in der ab 22.30 Uhr Google eine Liveband auftreten lässt. Am Gang nebenan ist eine ausgeräumte Besenkammer das Backoffice der Deutschen Bank. Josef Ackermann persönlich begrüßt seine Gäste ein Stockwerk tiefer in einem Kellerraum, der so aussieht, als habe da Ackermann seine Studentenfete gefeiert, früher, ganz früher. EnBW-Chef Utz Claassen ist dabei, gestern hat er nebenan an der Kellertür gestanden, zum ClimaChange NightCap.

Das ganze Hotel ist voll geklebt mit Schildern, Tafeln und Wegweisern: Hier trinkt die Nyse, dort geht?s zu Goldman McKinsey hofft auf Besucher ganz hinten im Labyrinth, man drängelt sich an Kleiderständern im provisorischen Zeltbau vorbei zu den Nummer-eins-Adressen der globalen Wirtschaft. Verärgert über die Jugendherbergsatmosphäre in den vergammelten Hotels zu Preisen jenseits der 5-Sterne-Kategorie ist niemand: "Da alle wichtigen Menschen da sind, spare ich Zeit und Geld", bilanziert Hessens Ministerpräsident Roland Koch.

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