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02.01.2003

08:30 Uhr

Zahlen zum Verbrauchervertrauen dämpfen die US-Aktien

Schwarzes Börsenjahr endet mit Sorgen

VonFrank Wiebe

Von wegen Jahresend-Rally. Die Erholung der Aktienbörsen im Herbst hatte die Hoffnung genährt, die Börsen könnten den enttäuschten Anlegern doch noch einen versöhnlichen Schluss für 2002 gönnen. Doch tatsächlich endete das Jahr so, wie es sich schon im Verlauf überwiegend gezeigt hatte: äußerst schwach.

Foto: dpa

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DÜSSELDORF. Phantasie bietet diese Vorstellung allenfalls für möglichst abschreckende Vergleiche. Der Fall des Dax um 44 % im abgelaufenen Jahr gilt als der tiefste Einbruch seit 1948 und führte die Verliererliste der westeuropäischen Aktienmärkte an, unter denen es nur einen Gewinner gab: die Börse Wien mit plus 0,9 %. Die europäischen Standardwerte verloren, gemessen am Stoxx 50, 35 %, das war der tiefste Einbruch, seit dieser Index 1987 eingeführt wurde.

Für die USA sehen die Prozentzahlen nur relativ etwas besser aus: Der Dow Jones verlor 17 %, der breiter gestreute S & P 500 jedoch 23 %, die Technologiebörse Nasdaq 31 %. Für den Dow war es das schlechteste Jahr seit 1977. Die Statistiker haben einen anderen, noch schrecklicheren Vergleich gezogen: Der Monat Dezember war 2002 so schwach wie noch nie seit dem Depressionsjahr 1931: Um jeweils rund 6 % fielen Dow und S & P 500.

"Stock-Picking" nur mit Nebenwerten erfolgreich

Hätten die Anleger mit gezieltem "Stock Picking", der Auswahl einzelner Titel, ihr Depot retten können? Diese Strategie wird immer dann empfohlen, wenn die Indizes fallen. Aber zumindest unter den großen Standardwerten war die Auswahl nicht groß: Die Dax-Werte liegen im Jahresvergleich alle unter Wasser. Unter den europäischen Blue Chips schaffte nur Eni den Sprung in den grünen Bereich, im Dow Jones finden sich mit Eastman Kodak, Procter & Gamble sowie 3M Co gerade einmal drei Gewinner. Wer also mit "Picking" reich werden wollte, musste sich schon auch bei den Nebenwerten umschauen. In Deutschland finden sich im Dax 100 immerhin acht deutliche Gewinner, an der Spitze liegt Schwarz Pharma mit plus 138 % vor Puma mit 91 %. Puma ist vor allem deswegen interessant, weil diese Aktie vor einem Jahr von vielen Experten ausgezeichnete Chancen zugebilligt bekam - es gibt also noch Prognosen, die eintreffen.

Die letzte Sitzung des Jahres wurde in den USA von neuen Konjunkturdaten überschattet: Das Vertrauen der US-Verbraucher, ohne die nach wie vor alle Hoffnungen auf eine weltweite Konjunkturerholung keinen Cent wert sind, hat sich im Dezember weiter abgeschwächt - Experten hatten einen Anstieg erwartet. Positiv wirkte sich aber aus, dass der Ölpreis nach einer deutlichen Steigerung in den letzten Wochen wieder fiel. Die beiden Effekte hoben sich in etwa auf, so dass die US-Börse ihre Silvester-Sitzung praktisch unverändert beendete. Unter den Gewinnern fand sich Tyco: Der Konzern gab bekannt, eine interne Prüfung habe keine Buchführungsfehler für das laufende Geschäftsjahr ergeben. In Europa hatte es in den letzten Handelsstunden - in Deutschland war schon am 30.12. Schluss - noch eine kleine Minirally mit dünnen Umsätzen gegeben. Unter den Gewinnern fanden sich hier der britische Pharmawert Glaxo Smith Kline und der französische Medientitel Vivendi.

Für die kommenden Börsenwochen dürfte weiterhin die Irakkrise den Trend vorgeben. Die jüngsten Äußerungen von US-Präsident George Bush, ein Angriff des Iraks auf die USA würde die amerikanische Wirtschaft lahm legen, stärkt sicherlich nicht das Vertrauen der Anleger. Tabakaktien könnten jedoch von einem Urteil profitieren, bei dem Ansprüche von Rauchern gegen die großen Konzerne zurückgewiesen wurden. Für das kommende Jahr haben viele Banken optimistische Prognosen abgegeben, eine ganze Anzahl erwartet aber keinen nennenswerten Anstieg der Börsen.

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