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20.01.2010

09:00 Uhr

Zahlensalat

Endspiel ohne Ende

VonHans Wolfgang Brachinger (Universität Fribourg)

Jetzt also soll China Deutschland als Exportweltmeister überholt haben. Dabei hängt es durchaus davon ab, was denn genau und zu welcher Währung als Export gezählt wird.

Dachten Sie auch, Weltmeisterschaften finden alle vier Jahre statt? In diesem Jahr beim Fußball in Südafrika. Beim Export ist das anders: Da ist permanent Weltmeisterschaft. Das Finale bestreiten seit ein paar Jahren Deutschland und China - andauernd und ohne Unterlass. Vor einigen Tagen erweckten Agenturen den Eindruck, diese Weltmeisterschaft sei jetzt endgültig geklärt: "China ist Exportweltmeister!" So einfach ist das aber nicht. Die Spielregeln sind alles andere als klar.

Schon darüber, was Ausfuhr bedeutet, gibt es verschiedene Auffassungen. Gehören zu den gelieferten Gütern nur Waren oder auch Dienstleistungen? Sollen alle Waren, die ins Ausland gebracht werden, als Export betrachtet werden, also auch Waren, die aus Lagerbeständen stammen, oder Waren, die in einem inländischen Hafen nur umgeladen und wieder ins Ausland verschifft werden? Oder sollen nur Waren betrachtet werden, die aus der Erzeugung und der Be- und Verarbeitung des Inlandes stammen und ausgeführt werden? Deutschland wird seit 2003 als Exportweltmeister gehandelt. Hätte man den Handel mit Dienstleistungen einbezogen, wären damals die USA Exportweltmeister gewesen. China steht jetzt besonders gut da, weil dort auch Waren, die nur umgeladen werden, als Ausfuhr gelten. Dazu kommt, dass das Ergebnis der Exportweltmeisterschaft von den Wechselkursen abhängt, da die exportierten Waren in Dollar bewertet werden.

2003 wurde Deutschland auch wegen der Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar Weltmeister. Der Zuwachs der deutschen Ausfuhren hätte allein nicht ausgereicht, um die US-Exportwirtschaft zu übertreffen. 2005 und 2006 konnte Deutschland den Titel halten, weil der Euro-Kurs zum US-Dollar unverändert auf hohem Niveau blieb. Die Chinesen waren damals schlau genug, ihren Yuan nicht aufzuwerten, und steigerten damit den Umfang ihrer Exporte. Diese Taktik zahlt sich jetzt aus.

Schließlich: Wie viele Spieler spielen da eigentlich? Am chinesischen Export werkeln ein paar mehr als am deutschen. Dass 1,2 Milliarden Spieler mehr Tore schießen als 80 Millionen, ist doch klar. Beim Fußball ist die Mannschaftsstärke deshalb auf elf Spieler normiert. Betrachtet man die Exportleistung je Einwohner, dann liegt Deutschland weit vor China. Und das wird noch lange so bleiben.

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