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07.04.2003

07:44 Uhr

Zahlreiche Angriffe auf arabische Online-Angebote

Amerikanische Patrioten und Kriegsgegner nutzen das Internet

VonAnn-Katrin Johannsmann

Amerikaner attackieren allem Anschein nach auch per Internet den Irak. Offenbar handelt es sich dabei aber um Privatpersonen. Zwar hätten US-Geheimdienste und Militär die Mittel dazu, doch für den Politologen Ralf Bendrath von der Berliner Forschungsgruppe Informationsgesellschaft und Sicherheitspolitik sind es bisher Aktionen einzelner Patrioten.

DÜSSELDORF. "Von einem Cyberwar, wie er in den letzten Monaten vorausgesagt wurde, kann im Irak-Krieg nicht die Rede sein", sagte er. "Das liegt erst dann vor, wenn Menschenleben betroffen sind." So könnten sich Hacker etwa in den Computer eines Kraftwerkes einschalten, um die Energieversorgung einer ganzen Region lahm zu legen.

Zu kleineren Aktionen gegen arabische Internetseiten kommt es dennoch Tag für Tag. Unmittelbar nachdem auf dem katarischen Sender El Dschasira Bilder von toten und gefangenen Amerikanern zu sehen waren, meldete der Technikdienstleister des Senders einen Angriff aus den USA. Doch war die englische Homepage nicht zu öffnen.

Auch die offizielle Seite der irakischen Regierung unter "www.uruklink.net" lässt sich nicht öffnen. "Denkbar ist allerdings auch, dass die Seiten überlastet sind", erklärte Klaus Herzig, Sprecher des Dachverbandes Deutscher Internet-Zugangsanbieter Denic.dere irakische Internetseiten wurden von Hackern durch pro- amerikanische Seiten ersetzt. Auf den Seiten des irakischen Fernsehens "www.iraq.tv" las man vergangene Woche zunächst christliche Botschaften, dann stand die Adresse sogar zum Verkauf. Unter "www.uruklink.org" finden sich Photos von US-Soldaten und Reden von Präsident George W. Bush.

Die häufigste Variante eines Angriffs auf Webseiten ist eine so genannte Denial-of-Service-Attacke. Dabei überlasten die Angreifer den Zentralrechner mit einer Flut falscher Informationen, bis er zusammenbricht. Denkbar wäre auch eine weiter gehende Störung: Der Großteil der Basisrechner für das Internet, die auch irakische Web-Seiten benötigen, stehen in den USA. Daher wäre ein einfacher Zugriff möglich, um die Online-Angebote und den Datenverkehr zu überwachen oder zu manipulieren. "Hier würde ein ziviles Medium für politische Zwecke missbraucht", sagte Klaus Birkenbiel von der deutschen Internet-Interessengemeinschaft ISOC.

Grundsätzlich ist die Bedeutung des Internets für das US-Militär gewachsen, insbesondere in Sachen Propaganda: Im Januar sandte die amerikanische Regierung personalisierte Mails an Mitglieder der irakischen Führungselite und forderte sie auf, Saddam den Rücken zu kehren und angebliche Massenvernichtungswaffen zu zerstören: "Falls sie diese Waffen ausschalten können, dann tun sei es."ie Kriegsgegner nutzen das Internet: Sie blockierten beispielsweise die Internetseite der spanischen Regierungspartei. Auch zahlreiche Künstler, darunter Lenny Kravitz und die Rockgruppe REM, stellen ihre Anti-Kriegs-Songs ins Internet, weil die US-Musiksender sie nicht spielen wollen.

Quelle: Handelsblatt

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