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20.07.2000

15:44 Uhr

AFP Moskau - Russische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben in Moskau und anderen Städten des Landes eine Anschlagsserie verhindert. Wie das Moskauer Innenministerium am Donnerstag mitteilte, nahmen die Polizei und der Inlandsgeheimdienst FSB am Vortag etwa zehn Verdächtige, zumeist Tschetschenen, fest. Große Mengen Sprengstoff seien sichergestellt worden. Die Rebellen hatten in der Vergangenheit mit Anschlägen auch außerhalb Tschetscheniens gedroht. Wie russische Nachrichtenagenturen meldeten, töteten die Rebellen in der abtrünnigen Kaukasusrepublik seit Mittwoch mindestens sechs russische Soldaten. In Gudermes gingen unterdessen die Querelen innerhalb der von Moskau eingesetzten Tschetschenien-Verwaltung weiter.

Unter Berufung auf den FSB berichtete die Nachrichtenagentur ITAR-TASS, Attentäter hätten in einem der wichtigsten Bahndepots der russischen Hauptstadt eine Bombe deponiert. Dem Bericht zufolge fanden die Sicherheitskräfte Sprengstoff auch in den mittelrussischen Wolga-Städten Wolgograd und Nischni Nowgorod sowie in Rostow am Don und in Tula. Bei Explosionen in Wohnhäusern in Moskau und anderen Städten waren im September vergangenen Jahres mehr als 290 Menschen ums Leben gekommen. Der Kreml machte teschetschenische Rebellen für die Explosionen verantwortlich, konnte diese Vorwürfe aber bisher nicht beweisen. Nach den Explosionen startete Russland am 1. Oktober seine Offensive gegen mutmaßliche Terroristen in der abtrünnigen Kaukasus-Republik.

In den Bergen im Südosten Tschetscheniens wurden laut der Nachrichtenagentur Interfax bei Rebellenangriffen aus dem Hinterhalt am Mittwochabend sechs russische Soldaten getötet, elf weitere Soldaten und Polizisten wurden verletzt. Dagegen verbreiteten die Rebellen die Nachricht, bereits am Dienstag seien bei Dschani-Wedeno 18 russische Soldaten und zwei Rebellen bei einer Schießerei getötet worden.

Der vom Kreml vor gut einem Monat eingesetzte Verwaltungschef der Kaukasus-Republik, der frühere Mufti Achmad Kadyrow, trug in Gudermes weiter einen Machtkampf mit seinem Stellvertreter und Polizeichef Bislan Gantamirow aus. Russische Militärs wollten am Donnerstag ein weiteres Versöhnungstreffen zwischen den beiden organisieren, nachdem ein vorheriges gescheitert war. Unzufrieden mit den jüngsten Entlassungen einheimischer Mitarbeiter durch Kadyrow hatte Gantamirow am Montag das Verwaltungsgebäude von rund 200 bewaffneten Männern umstellen lassen. Daraufhin wurden die russischen Truppen für eine mögliche bewaffnete Auseinandersetzung in Kampfbereitschaft versetzt.

Moskau unterstützt Kadyrow und drohte Gantamirow mit Strafverfolgung. Nach Angaben des Tschetschenien-Sprechers des Kreml, Sergei Jastrschembski, wurde am Donnerstagmorgen 200 Meter vor dem Verwaltungsgebäude eine Bombe entschärft. Damit sei ein Anschlag auf Gantamirow verhindert worden.

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