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31.01.2003

17:50 Uhr

Zehntausende in Not

In Europa herrscht das Winterchaos

Ein heftiger Wintereinbruch hat zehntausende Menschen in Europa in Not gebracht. Schnee, Eis und Stürme schnitten Dörfer von der Außenwelt ab. Auf spiegelglatten Straßen gab es unzählige Unfälle.

Chaos auf der A44, Foto: dpa

Chaos auf der A44, Foto: dpa

HB/dpa HAMBURG/MADRID/LONDON. Binnen 24 Stunden forderte der Wintereinbruch mehrere Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Straßenglätte legte in Deutschland den Berufsverkehr von Rügen bis Bayern lahm. Autobahnen waren durch quer stehende Lastwagen blockiert. Frierende Menschen mussten in der Not mit Suppe und Decken versorgt werden. Es entstanden Millionenschäden. In Spanien galt fast im ganzen Land Unwetteralarm. Selbst an den Badestränden Mallorcas fiel Schnee.

Allein in Deutschland kam es zu Tausenden von Unfällen, meistens blieb es jedoch bei Blechschäden. Einige Autofahrer in Baden- Württemberg saßen in der Nacht zu Freitag bis zu 18 Stunden in ihren Fahrzeugen in kilometerlangen Staus fest. Hilfskräfte versorgten die Wartenden mit warmen Getränken und Suppe. Bereits am Donnerstagnachmittag hatte es erste Todesopfer gegeben. Bei Schneetreiben wurde eine 19 Jahre alte Autofahrerin bei einem Zusammenprall mit einem Laster getötet.

Spiegelglatte Autobahnen

In weiten Teilen Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg- Vorpommerns und in Nordrhein-Westfalen mussten sich Pendler auf spiegelglatte Autobahnen, Bundes- und Landstraßen einstellen. Rüdes Fahrverhalten und mangelnde Winterausrüstung verschärften die Lage: Ein Polizeisprecher kritisierte, dass viele Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs seien. "Die überholen ja noch Streifenwagen mit Blaulicht", beschrieb ein Sprecher der Darmstädter Autobahnpolizei die Fahrweise von Lastwagenfahrern auf schnee- und eisglatten Straßen. Auch Heinz Krahforst vom ADAC Württemberg berichtete von einer schwierigen Situation. "Die Schleppfahrzeuge kamen nicht voran, weil überall Autos stecken geblieben sind."

Im Norden wurden die Autofahrer im Großraum Bremen in der Nacht zum Freitag auf eine harte Probe gestellt. Wegen überfrierender Nässe wurden die Straßen extrem glatt. Unzählige Karambolagen hielten die Autofahrer und Polizisten in Atem. Ein Polizeisprecher sagte: "An Steigungen ging nichts mehr." Kaum Probleme hatten die Zugreisenden in Deutschland. Bei der Bahn kam es nur vereinzelt zu Verspätungen.

Flüge verspätet

Auf dem Flughafen in Hamburg hat es Verzögerungen bis zu einer Stunde gegeben, weil die Landebahnen geräumt werden mussten, wie eine Flughafensprecherin sagte. Einige Verbindungen seien gestrichen worden. In Stuttgart und Düsseldorf waren Flüge verspätet oder fielen aus. Eis und Schnee behinderten auch den Verkehr am Flughafen München. Bis zum Mittag mussten 27 Flüge gestrichen werden, teilte ein Sprecher mit. Zahlreiche weitere Flüge kamen verspätet an oder konnten erst später starten. Der Frankfurter Flughafen war kaum betroffen.

Spanische Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten

In der Nordhälfte Spaniens waren am Freitag fast 200 Dörfer nach heftigen Schneefällen von der Außenwelt abgeschnitten. In manchen Gegenden lag der Schnee nach Angaben des Rundfunks über einen Meter hoch. Die Region Kantabrien um die Hafenstadt Santander konnte auf dem Landwege nicht mehr erreicht werden. Für das ganze Land mit Ausnahme der Region Extremadura im Südwesten und der Kanarischen Insel wurde Unwetteralarm gegeben. Zahllose Straßen wurden gesperrt. Die Flughäfen von Vitoria und León im Norden des Landes wurden geschlossen. Für über 15 000 Schulkinder fiel der Unterricht aus. Bei Santander stürzte ein Sturm einen 40 Tonnen schweren Lastkran auf ein Schiff im Hafen. Das Schiff versank, Menschen wurden nicht verletzt.

In mehreren Départements in Frankreich wurde der Lastwagenverkehr verboten. Auch Schulbusse durften nicht mehr fahren. Für die Pyrenäen gab der Wetterdienst Météo France Lawinen-Warnungen aus. Die Schneefälle seien die stärksten der letzten vier bis fünf Jahre gewesen, teilte der Wetterdienst mit. Bei Limoges in Zentralfrankreich mussten in der Nacht zum Freitag mehr als 1000 Menschen wegen quer stehender Lastwagen stundenlang auf einer Autobahn ausharren.

Auch in Großbritannien, der Schweiz und in Belgien löste der erneute Wintereinbruch ein Verkehrschaos aus. Eine Vielzahl von Flügen fielen aus oder verspäteten sich. In Österreich warnten Experten vor erheblicher Lawinengefahr in weiten Teilen des Landes. Temperaturschwankungen und Schneeverwehungen hätten dazu geführt, dass sich einzelne Schneeschichten kaum miteinander verbunden haben. In Griechenland war es mit 14 Grad zwar wärmer, doch wurden wegen stürmischer Winde alle Fährverbindungen in der Ägäis eingestellt. Starke Regenfälle unterspülten Landstraßen und führten zu Verkehrsbehinderungen.

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