Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2003

12:57 Uhr

Zentrale Rolle im Feldzug gegen Bagdad

US-Nordfront im Irak nimmt Gestalt an

Langsam, aber sicher bauen die USA im Norden des Irak nach Darstellung führender Militärs eine weitere Front gegen Saddam Hussein auf. Sie spielt eine zentrale Rolle bei den Bemühungen, den Feldzug gegen Bagdad nicht durch Kämpfe zwischen Kurden und Türken zu behindern. Außerdem könnten die Truppen die irakische Hauptstadt zusammen mit den Verbänden im Süden in die Zange nehmen.

dpa WASHINGTON. Die Weigerung der Türkei, von ihrem Boden aus eine Invasion zu starten, hatte die Planer zu einem "Plan B" gezwungen. Ursprünglich sollten von dort aus 62 000 US-Soldaten in den Kampf ziehen. Stattdessen haben rund 1200 Fallschirmjäger ein Flugfeld bei Bashur in der Nähe der Stadt Erbil besetzt. Außerdem wurde dort nach US- Medienberichten eine Vorhut der 10. US-Gebirgsdivision abgesetzt.

Das auffälligste Zeichen an der Nordfront setzten aber bisher Spezialkommandos, die seit Wochen mit den Kurden zusammenarbeiten. Im irakisch-iranischen Grenzland haben sie nach offizieller amerikanischer Darstellung zusammen mit rund 6000 kurdischen Kämpfern ein Lager der militanten kurdischen Organisation Ansar el Islam (Helfer des Islam) erobert. Über 120 Fundamentalisten seien getötet worden. Rund 700 hätten sich in den Iran abgesetzt.

Beweise für die US-Version, die "Helfer des Islam" arbeiteten mit der Terrororganisation El Kaida zusammen und hätten mehr als 100 Araber in ihren Reihen, wurden nicht gefunden. Das gilt auch für die Existenz chemischer oder biologischer Waffen. Es könne Wochen dauern, bis das riesige Lager durchsucht worden sei, sagte US- Generalstabschef Richard Myers. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld baute für den Fall vor, dass gar nichts entdeckt wird: Beweismaterial könne sehr wohl in Erwartung des Krieges fortgeschafft worden sein.

Starker politischer Druck auf Ankara

Das "Wiederaufflammen historischer Fehden zwischen Türken und Kurden" haben die Streitkräfte im Norden nach den Worten des US- Oberbefehlshabers Tommy Franks bislang verhindert und damit einen wichtigen Zweck erfüllt. Washington hatte darüber hinaus starken politischen Druck auf Ankara ausgeübt, seine militärische Präsenz im Kurdengebiet nicht zu verstärken. Die Türkei will das Entstehen eines kurdischen Staates, Vorstöße von Kämpfern der kurdischen Arbeiterpartei PKK auf türkisches Terrain und Flüchtlingsströme wie im Golfkrieg 1991 verhindern.

Das andere von Franks proklamierte Ziel, zu einer "ernsten Bedrohung" für die Truppen des irakischen Regimes zu werden, ist zunächst noch Zukunftsmusik. Mehrere irakische Divisionen haben sich auf Positionen rund 50 Kilometer nördlich von Kirkuk zurückgezogen, wo bedeutende Ölquellen liegen. Militärexperten sehen darin einen taktischen Rückzug. Diese Einheiten wären Gegner für rund 1000 Artilleristen und Infanteristen der im Afghanistan-Krieg erprobten 10. Gebirgsdivision, die bald in der Region erwartet werden. Der Rest der 10 000 Mann starken US-Truppe könnte ebenfalls nach Nordirak geschickt werden, sollte der Kampf um Bagdad unerwartet schwer werden, sagten US-Beamte der "Washington Post".

Dass die 4. Infanterie-Division der Amerikaner wegen der türkischen Haltung nun im Norden fehlt, wird von Oberbefehlshaber Franks bestritten. "Tatsache ist, dass es strategisch und operativ wichtig war, diese sehr schwere Truppe genau dort zu haben, wo sie war, bis sie in Bewegung gesetzt wurde." Das war bis zum vergangenen Wochenende ihr US-Stützpunkt Fort Hood (Bundesstaat Texas). Jetzt sollen die 16 000 Mann mit anderen Einheiten den Verband "Task Force Iron Horse" bilden und von Kuwait aus in den Irak rollen. Ihre Ausrüstung wird nach Angaben eines Pentagonbeamten erst gegen den 8. April eintreffen; die Frachtschiffe schaukelten wochenlang vor der türkischen Küste und sind derzeit zum Persischen Golf unterwegs.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×