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01.02.2001

19:30 Uhr

„Zentrales technologisches Fundament“

Microsofts Netz-Strategie gewinnt an Kontur

VonOlaf Storbeck

Bill Gates ist überzeugt: Bislang ist noch nicht einmal die Hälfte des wirtschaftlichen Potenzials des Internet entwickelt. Mit dem "Commerce Server 2000" und dem "BizTalk Server 2000" stellte sein Unternehmen gestern erstmals in Deutschland seine neuen Software-Pakete für das E-Business vor.

DÜSSELDORF. Microsoft-Gründer Bill Gates hält E-Business für alles andere als tot. "Was bislang gesehen haben, ist nicht einmal die Hälfte des Potenzials des Internet", sagte Gates, der auch auf der 7. Handelsblatt-Jahrestagung Strategisches IT-Management in Düsseldorf Microsofts Internet-Strategie erläuterte, auf einem ".Net-E-Business-Summit" seines Unternehmens. Die zahlreichen Firmenpleiten von Internet-Startups sind in seinen Augen sogar "sehr gesund". Gates: "Es ist gut, dass die Zeit des Goldrausches vorbei ist." Die einstmals hohen Börsenbewertungen reiner Web-Firmen seien von Anfang an nicht gerechtfertig gewesen, denn das Internet führe zur mehr, nicht zu weniger Wettbewerb.

Der US-Konzern hatte bereits Mitte vergangenes Jahres angekündigt, sich in ein E-Business-Unternehmen verwandeln zu wollen. Damals bezeichnete Gates den Richtungswechsel als "den wichtigsten Neuanfang in der Geschichte des Unternehmens". Bislang bestand diese so genannte .Net-Strategie (sprich: dot.Net) allerdings größtenteils aus Visionen.

Nun stellte Microsoft nun zum ersten Mal in Deutschland das nach eigenen Angaben "zentrale technologische Fundament" von .Net vor: zwei Softwarepakete names Commerce Server 2000 und BizTalk Server 2000. Mit dem Commerce Server 2000 können Unternehmen Internet-Shops wie zum Beispiel einen Online-Buchladen aufbauen. Dagegen dient die Software BizTalk Server 2000 dazu, verschiedene Computersysteme über das Internet miteinander zu vernetzen. Unternehmen sollen damit beispielsweise Daten mit Zulieferern austauschen und Geschäftsprozesse automatisieren können.

Englischsprachige Versionen der Software sind laut Microsoft seit Januar in den USA und "seit wenigen Tagen" in Europa auf dem Markt. Eine deutschsprachige Version werde in etwa vier Wochen folgen. Während der Commerce Server 2000 das bisherige Microsoft-Produkt Site Server 3.0 Commerce Edition ablöse, handelt es laut Microsoft beim BizTalk Server 2000 um eine "absolut neue Technologie."

BizTalk kommt mit deutlicher Verspätung auf den Markt. Eine Testversion, für März 1999 angekündigt, gelangte erst im August 2000 zu den Entwicklern. Der Starttermin des Programms verschob Microsoft zuletzt Ende September 2000 .

Mit den beiden in Düsseldorf vorgestellten Softwarepaketen stößt Microsoft in Marktsegmente vor, in denen bislang andere Unternehmen dominieren. Als wichtigste Konkurrenten sehe Microsoft IBM mit seiner Software-Plattform Websphere und auch Intershop an, sagte Wolfgang Ebermann, Marketing Direktor und Mitglied der Geschäftsführung der deutschen Microsoft GmbH. Ebermann war nicht bereit, konkrete Umsatzziele für Commerce Server 2000 und BizTalk Server 2000 zu nennen. "Wir streben aber ganz klar einen Platz unter den ersten drei im Markt an."

Um das zu erreichen, startet Microsoft in Deutschland eine gewaltige Werbeoffensive: In diesem Jahr will das Unternehmen 25 % seines hiesigen Marketing-Etats in .Net stecken, erklärt Ebermann.

In Düsseldorf gewann Gates bereits einen großen Kunden: die Ergo Versicherungsgruppe AG einigte sich mit Microsoft in einem "Letter of Intent", künftig voll auf .NET zu setzen. Ab diesem Jahr wolle Ergo seine E-Business-Strategie "konsequent und komplett" auf dieser Plattform realisieren, heißt es in einer Mitteilung von Ergo.

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