Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2000

13:51 Uhr

Zerfetzte Reifen, defektes Fahrwerk, Schaden am Triebwerk

Mühsame Spurensuche der Concorde-Ermittler

Nach der ersten Auswertung der Black Box verfolgen die französischen und deutschen Concorde-Ermittler in Paris mehrere Spuren zur Aufklärung der Katastrophe.

afp PARIS. Drei Tage nach dem Unglück stand am Freitag fest, dass die Besatzung beim Start an verschiedenen Punkten mit technischen Schäden zu kämpfen hatte. An den beiden linken Triebwerken, am Fahrwerk und offenbar mit den Reifen der 25 Jahre alten Maschine gab es erhebliche Probleme. Welcher Defekt das erste Glied in der Kette war und damit die Katastrophe auslöste, darüber herrschte weiter Rätselraten.



FAHRWERK und REIFEN



Das Fahrwerk zeigte unmittelbar nach dem Start so starke Schäden, dass es sich nicht mehr einfahren ließ. Auf dem Stimmrekorder war zu hören, wie die Besatzung vergeblich versuchte, es in die Tragflächen einzuklappen. Auf der Startbahn wurden nach der Katastrophe die Stücke zerfetzter Reifen entdeckt. Eine der Spekulationen um die Unglücksursache geht dahin, dass womöglich eine Reifenexplosion Trümmer ins Triebwerk oder an die in der Tragfläche liegenden Kerosintanks schleuderte und damit den Brand an der linken Seite der Maschine auslöste.

Für diese Hypothese liefern Concorde-Zwischenfälle der Vergangenheit Indizien: Bei einem Concorde-Start am Flughafen in Washington am 15. Juni 1979 explodierten zwei Reifen. Eine Tragfläche und vor allem ein Tank wurden beschädigt. Dem Piloten gelang es jedoch, mit einer Notlandung 20 Minuten nach dem Abheben eine Katastrophe zu verhindern. Bei der Landung einer Concorde 1987 am New Yorker Kennedy-Airport platzten fünf der zehn Reifen des Fahrwerks. 1981 explodierten am Kennedy-Airport zwei Reifen - einige Sekunden vor dem Start; der Flug wurde annulliert. In allen drei Fällen kamen die Passagiere mit dem Schrecken davon.



TRIEBWERK



Die Besatzung der Unglücks-Concorde meldete den Ausfall von Triebwerk 2 unmittelbar nach dem Start. Der Flugdatenschreiber verzeichnete aber nicht nur diese Panne, sondern auch erheblichen Schubverlust am benachbarten Triebwerk 1. Damit waren zwei der insgesamt vier Concorde-Triebwerke nicht mehr funktionstüchtig; da sie sich beide auf einer Seite befanden, wurde die Maschine unkontrollierbar.

Die Gründe für das Versagen der Triebwerke sind nach wie vor nicht geklärt. Das Augenmerk der Experten richtet sich jedoch auf Triebwerk 2, das sofort in Flammen aufging. Kurz vor dem Start wurde an diesem Triebwerk noch die Schubumkehr repariert, die als Bremse dient. Dieser Eingriff gilt als problemlos. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete am Freitag über eine weitere Reparatur am Nachbrenner von Triebwerk 2, was aber von Air France später dementiert wurde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×