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07.01.2003

08:29 Uhr

ZERTIFIKAT UNTER DER LUPE

Silberspekulanten geben Hoffnung nicht auf

VonChristian Kirchner

Trotz der Gold-Hausse notiert der Silberkurs im Keller. Der Grund: Der weltweit sinkende Bedarf der Industrie. Optimisten setzen jedoch darauf, dass die Nachfrage noch immer größer ist als die Förderquoten der Produzenten. Spezielle Zertifikate bieten dabei eine einfache Möglichkeit, in das Edelmetall zu investieren.

DÜSSELDORF. Aktienbesitzer hatten es zuletzt nicht leicht. Seit knapp drei Jahren sind die Indizes in Europa und den USA im Sinkflug. Wer sich dabei grämt, der werfe doch einfach einen Blick auf Silber: Der Preis je Unze sank von über 35 $ zum Höhepunkt der Silberspekulation im Jahr 1980 auf inzwischen 4,88 $.

Anleger, die dennoch an ein Comeback des Edelmetalls glauben, haben seit dem vergangenem Jahr die Möglichkeit, über Zertifikate an der Entwicklung des Silberpreises zu partizipieren. Liquidestes Papier in Deutschland ist der "Silver Tracer" von UBS Warburg (WKN: 637503), der den Preis einer Unze Silber 1:1 abbildet und in Euro notiert.

Mit dem an deutschen Börsen gehandelten UBS-Zertifikat sind Anleger weit besser bedient als mit dem physischen Kauf von Silber: Im Gegensatz zum Direktkauf fällt nämlich beim Erwerb keine Mehrwertsteuer an. Auch die Spanne zwischen An- und Verkauf ist mit einem "Spread" von 0,6 % erheblich niedriger als beispielsweise bei einem Kauf von Münzen oder Barren. Allerdings endet die Laufzeit des Zertifikats im November 2004.

Zuletzt hat allerdings der Anstieg des Goldpreises dem Silberkurs nicht besonders auf die Sprünge geholfen, obwohl die beiden Metalle meist parallel laufen. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Leiter des Edelmetall- und Rohstoffhandels bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, hat dafür eine Erklärung: "Silber ist inzwischen kein Edelmetall mehr, sondern ein Industriemetall."

Allein 2001 entfielen 62 % der weltweiten Silbernachfrage in Höhe von 880 Mill. Unzen auf die Industrie, der Rest auf Schmuck und Münzen. Folge: Durch die weltweite Rezession sank die Nachfrage, so dass der Silberpreis unter Druck geriet. Allein ein Viertel der Gesamtnachfrage geht auf das Konto der Photoindustrie. Deren Bedarf sinkt seit drei Jahren zusätzlich: Der Siegeszug der Digitalkameras verdrängt die traditionelle Technik, für die Silber verwendet wird. "Diesen Nachfrageschwund kann auch der steigende Absatz von analogen Kameras in Schwellenländern nicht kompensieren", so Wrzesniok-Roßbach.

Die Optimisten sehen das indes ganz anders. Nach Angaben des Silver Institutes in Washington übersteigt die physische Nachfrage nach Silber seit 1991 die Förderung um etwa 130 Mill. Tonnen - und zwar Jahr für Jahr. "Diese Lücke wurde von zwei Angebotskomponenten geschlossen: Erstens trennen sich Notenbanken seit Jahren von ihren Beständen, zweitens flossen große Silberbestände in den Markt, die während der Silberspekulation der 70er Jahre aufgebaut wurden", sagt Markus Mezger, Analyst der BW-Bank. Er glaubt, dass die privaten und offiziellen Bestände bald erschöpft sind und erwartet in den kommenden 12 bis 18 Monaten aufgrund des Nachfrageüberhangs an physischem Silber einen Silberpreis von über 6 $ je Feinunze. "Langfristig sollten zweistellige US-Dollar Notierungen erreicht werden können", so der Analyst.

Die große unbekannte Komponente in dieser Rechnung sind jedoch die bestehenden Vorräte. Dresdner-Chefhändler Wrzesniok-Roßbach glaubt, dass "vor allem die Verkäufe von China und institutionellen Silberinvestoren in absehbarer Zeit den Nachfrageüberhang abdecken können". Bis das physische Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder hergestellt ist, halten - ähnlich wie beim Goldpreis - die Pessimisten den Silberpreis über den Kauf entsprechender Kontrakte am Terminmarkt im Würgegriff.

Optimisten träumen hingegen von einem neuen Coup im Stile Warren Buffetts. Mit Blick auf die hohe Nachfrage ei sinkenden Preisen ließ er sich vor fünf Jahren kurzerhand knapp 130 Mill. Unzen Silber physisch ausliefern - per Schiff nach London. Damit sorgte er für eine wenige Wochen währende Kursexplosion, die bis auf 7,50 Dollar je Unze reichte. Buffett, der für seine Investments stets Jahre Zeit einplant, schweigt seitdem zu der Frage, ob er den Bestand noch hält. Dresdner-Chefhändler Wrzesniok-Roßbach glaubt denn auch, "dass ein kapitalstarker Käufer den Silbermarkt gehörig durcheinander wirbeln kann". Er hält Silber dennoch für eine im Vergleich zu Gold oder Platin uninteressante Anlageform.

Quelle: Handelsblatt

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